Seit dem 16. Jahrhundert: Weinbau am Vulkanhang bei Pézenas
Die Geschichte der Domaine de Montrose beginnt nicht mit einem Gründungsdokument, sondern mit einem Wappen. Am 1. Juli 1701 erhielt Joseph Alazard, Vorfahre der heutigen Besitzer, von der Krone den Wappenschild der Trois Lézards — der drei Eidechsen — verliehen. Seither ziert dieses Emblem jede Flasche des Guts. Die Wurzeln reichen jedoch weiter zurück: Unterirdische Keller unter dem Weingut belegen, dass hier bereits im 16. Jahrhundert Wein gekeltert wurde, und das Gut taucht in den ersten französischen Kataserkarten, den Cassini-Karten ab 1756, namentlich auf. Heute führen Bernard Coste und sein Sohn Olivier, der 2009 ins Weingut einstieg, das Domaine in der neunten Generation — eines der ältesten Familienweingüter im gesamten Languedoc.
Der Name Montrose ist kein Zufall: Mont steht für den erloschenen Vulkanhügel, auf dem die Reben wachsen, rose für die rosa Mandelblüten, die das Gut im Frühjahr umgeben. Das Weingut liegt bei Tourbes, wenige Kilometer von Pézenas und der Mittelmeerküste entfernt — ein Ort, an dem sich mediterrane Wärme und Meeresbrisen seit Jahrhunderten die Balance halten.
Biodiversität als Betriebsprinzip: Boden, Baum und HVE-Zertifizierung
Das rund 100 Hektar große Rebgelände ruht auf drei grundverschiedenen Böden: tonig-kalkigen Lagen, die Frische und Mineralität liefern; Villafranchischen Terrassenschottern aus kleinen Rundkieseln, nährstoffarm und damit prädestiniert für ertragsbegrenzte, charakterstarke Reben; sowie vulkanischem Basalt, der den Weinen Tiefe und Struktur mitgibt. Diese Bodenvielfalt auf engem Raum ist im Languedoc ungewöhnlich und gibt dem Sortiment seine Bandbreite.
Ökologie ist kein Marketingbegriff, sondern gelebter Betriebsalltag. 2012 analysierten Bernard und Olivier Coste gemeinsam mit Wissenschaftlern die Fauna und Flora des Guts — und pflanzten anschließend über 1.000 Bäume aus 21 mediterranen Arten: Olivenbäume, Mandeln, Eichen, Quitten, Erdbeerbäume, Lorbeer. Das Netz aus Bäumen, Wäldern und Wiesen rund um die Rebzeilen reguliert das Mikroklima, fördert Nützlinge und reduziert den Eingriffsbedarf im Weinberg. Das Domaine ist mit dem HVE-3-Zertifikat (Haute Valeur Environnementale, Stufe 3) ausgezeichnet — der höchsten nationalen Umweltklassifizierung für Weinbaubetriebe in Frankreich.
Rosé als Kernkompetenz: Grenache, Vulkanboden und klare Stilistik
Domaine de Montrose gilt als einer der Pioniere des Languedoc-Rosés und hat sich über Jahrzehnte als Referenz für diesen Weintyp im Süden Frankreichs etabliert. Die klassischen Rosés entstehen aus Grenache, Cabernet Sauvignon und Syrah auf Kalk- und Kiesböden: blass in der Farbe, mit frischer Frucht — Erdbeere, Zitrusschale, ein Hauch Blüte — und einer salzigen Mineralität im Abgang, die vom Meerwind und den steinigen Böden geprägt wird. Die Spitzencuvée 1701 setzt auf eine seltenere Kombination: Grenache vom Vulkanboden, ergänzt durch Roussanne aus der mediterranen Garrigue — in limitierter Menge, mit dem Fokus auf Eleganz statt Exuberanz. Neben den Rosés umfasst das Sortiment Weißweine — darunter Chardonnay und Viognier unter der IGP Pays d'Oc — sowie Rotweine, die auf den alten Carignan-Reben des Guts und auf Cabernet Sauvignon-Syrah-Blends basieren. Alle Weine teilen eine Stilistik: Frische vor Kraft, Balance vor Gewicht, und ein klares Bekenntnis zum Terroir des südlichen Languedoc.