Vom Armagnac-Gut zum preisgekrönten Familienbetrieb der Gascogne
Die Geschichte von Domaine Chiroulet beginnt 1893, als Jean-Baptiste Fézas in Larroque-sur-l'Osse im Gers zu destillieren beginnt — Armagnac ist das erste Handwerk der Familie, der Grundstein für alles Folgende. Über mehrere Generationen bleibt das Gut in Familienhand; 1969 übernehmen Michel und Arlette Fézas die Führung und bauen das Domaine planvoll aus: zunächst mit Armagnac als Zugpferd, ab 1977 ergänzt durch Floc de Gascogne, den traditionellen Aperitif des Südwestens aus frischem Traubenmost und Armagnac.
1993 tritt Philippe Fézas, Agrar-Ingenieur und Önologe, das Erbe an — als fünfte Generation und mit einem klaren Programm. Er hatte zuvor in Kalifornien und Bordeaux gearbeitet, dort die Fassreifung schätzen gelernt und entschieden, dass die Gascogne mehr kann als Weißwein. Eine Erwähnung im Wine Advocate 1996 katapultierte das Gut erstmals in die überregionale Aufmerksamkeit; 2015 kürte der französische Weinführer Bettane+Desseauve Chiroulet zum besten Weingut der Gascogne.
Kalkstein, Wind und konsequent verantwortungsvoller Weinbau
Das Domaine liegt auf den höchsten Coteaux der Gascogne, rund 180 Meter über dem Meeresspiegel, mit Südausrichtung Richtung Pyrenäen. Der Name selbst ist Programm: „Chiroula" heißt der pfeifende Wind im okzitanischen Dialekt — er zieht kontinuierlich über die Hänge und sorgt für trockene, gesunde Trauben. Der Untergrund ist komplex: Tuffeau, braune Tone und Kalkstein wechseln sich parzellenweise ab, ergänzt durch Mergellagen mit feinen Tonen, die an die Côte de Saint-Émilion erinnern. Philippe Fézas hat jede Parzelle pedologisch kartieren lassen und daraus ein differenziertes Bepflanzungskonzept entwickelt — Rebsorte, Unterlage und Pflanzdichte richten sich nach dem jeweiligen Bodentyp.
In der Bewirtschaftung hat Chiroulet den Kurs konsequent Richtung Ökologie gesetzt. Das Gut trägt das HVE3-Label (Haute Valeur Environnementale), die Roten wurden ab dem Jahrgang 2021 auf biologischen Anbau umgestellt. Dazu kommen Agroforstmaßnahmen — die traditionellen Hainbuchenhaine der Region, die sogenannten „Buscagnos", werden erhalten und gepflegt — sowie Gründüngung.
Weiß, Rosé, Rot und Armagnac — eine Gascogne von Apéritif bis Digestif
Auf rund 40 Hektar Reben zwischen zehn und vierzig Jahren Alter entstehen Côtes-de-Gascogne-Weine in allen Farben sowie Floc de Gascogne und Armagnac. Die Weißen und Rosés basieren auf Gros Manseng, Sauvignon, Colombard und Ugni Blanc — aromatisch, frisch, mit mineralischer Spannung, die der Kalksteinboden prägt. Besonders der Sauvignon findet im Kalk der Ténarèze ein ähnlich günstiges Milieu wie in Sancerre oder Pouilly, was die Weine mit einer raren mineralisch-rauchigen Tiefe ausstattet. Die Rosés der Linie Famille Fézas Expression stehen für fruchtbetonten, zugänglichen Stil ohne Schwere.
Bei den Roten hat Philippe Fézas das Weingut quasi neu erfunden: Merlot bildet mit 50 bis 60 Prozent die Basis und gibt die Frucht — Sauerkirsche, rote Beeren, ein Hauch Pflaume. Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Tannat liefern Frische, Struktur und Länge. Die Assemblage erfolgt früh, im November, danach reifen die Weine rund zwölf Monate in Eichenfässern. Das Ergebnis sind Rotweine mit einer Körperfülle, die für die IGP Côtes de Gascogne ungewöhnlich ist — und die das Domaine in die Nähe guter Bordeaux-Qualitäten rückt, wie es Philippe Fézas von Beginn an angestrebt hat.