Von der Adelsfamilie zur globalen Weinmacht
Viña Concha y Toro wurde 1883 von Melchor de Santiago Concha y Toro, einem ehemaligen chilenischen Finanzminister, und seiner Frau Emiliana Subercaseaux auf Familienland im Maipo-Tal nahe Santiago gegründet. Von Anfang an blickte der Gründer Richtung Bordeaux: Er ließ Rebstöcke der Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Carménère und Sauvignon Blanc aus Frankreich einfliegen und holte einen französischen Önologen ins Haus, um Pflanzung und Ausbau nach burgundischem Vorbild zu gestalten. Aus diesem Bordeaux-inspirierten Wurzelwerk wuchs über Generationen das heute größte Weinunternehmen Lateinamerikas.
Der Aufstieg zur internationalen Marke verlief in klaren Schritten: 1923 wurde das Unternehmen zur Aktiengesellschaft, 1994 war Concha y Toro das erste Weingut weltweit, das seine Anteile an der New Yorker Börse notieren ließ. Noch im selben Jahrzehnt folgte das Joint Venture mit Baron Philippe de Rothschild zur Produktion von Almaviva — ein Signal, dass Chile auf dem Niveau der Weltklasse mitspielt. Heute ist das Unternehmen eng mit den Familien Guilisasti und Larraín verbunden; ein Urenkel des Gründers sitzt im Verwaltungsrat.
Nachhaltigkeit als Geschäftsprinzip, nicht als Marketingversprechen
Concha y Toro bewirtschaftet Lagen vom kühlen Limarí im Norden über Casablanca, Maipo und Colchagua bis in den südlicheren Maule — dazu Weingüter in Argentinien (Trivento, gegründet 1996) und den USA. Diese Breite gibt der Kellerei Zugriff auf ein Spektrum an Klimata und Böden, das kaum ein anderer südamerikanischer Produzent bietet. Die Rebfläche umfasst mehr als 10.000 Hektar unter Kultivierung.
Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatzprojekt, sondern zentraler Unternehmenspfeiler. 2021 erhielt Concha y Toro die B-Corp-Zertifizierung — als damals größtes Weingut weltweit, das diesen Status erlangte. Im Dow Jones Sustainability Yearbook 2025 wurde das Unternehmen als nachhaltigstes Weingut der Welt ausgezeichnet und war das einzige der Branche in diesem Ranking. Konkret heißt das: Investitionen in Bewässerungseffizienz, Wassermanagementpläne entlang der gesamten Lieferkette, Energieoptimierung und der Schutz von Biodiversität im Weinberg.
Casillero del Diablo und ein Portfolio mit Tiefe
Das Sortiment spannt sich von zugänglichen Alltagsweinen bis zu ambitionierten Prestige-Cuvées. Die bekannteste Linie ist Casillero del Diablo — 1966 eingeführt und nach einer Legende aus den Anfangsjahren des Hauses benannt: Don Melchor soll Gerüchte gestreut haben, ein Teufel bewache seinen besten Keller, um Diebstähle zu verhindern. Aus diesem Mythos wurde eine der meistverkauften Weinmarken der Welt. Die Linie umfasst Cabernet Sauvignon, Carménère, Merlot und Chardonnay, jeweils aus den für die Rebsorte passendsten Tälern Chiles — etwa kühle Pazifik-nahe Zonen für den Chardonnay, wärmere Lagen im Zentraltal für die Rotweine.
Stilistisch stehen die Casillero-del-Diablo-Weine für reife Frucht mit klarer Struktur: dunkle Beeren, runde Tannine und ein ausgewogener Abgang beim Cabernet Sauvignon; würzige Kräuternoten und eine samtene Textur beim Carménère. Wer tiefer ins Portfolio einsteigt, findet mit Marqués de Casa Concha und dem Prestige-Wein Don Melchor zwei Linien, die zeigen, wozu chilenischer Terroir auf internationalem Topniveau fähig ist. Concha y Toro exportiert seine Weine in rund 135 bis 140 Länder — und ist damit einer der wenigen Produzenten, der Reichweite und handwerkliche Sorgfalt tatsächlich miteinander verbindet.