Neun Generationen an einem Ort: die Geschichte der Familie Saby
Die Geschichte von Château Rozier beginnt im Jahr 1775, als ein Vorfahre der Familie Saby die erste Parzelle am Fuß der Hügel von Saint-Laurent-des-Combes erwarb. Aus diesem einzelnen Grundstück wuchs über Generationen hinweg eines der beständigsten Familienweingüter des gesamten Saint-Émilionnais. Heute führen die Brüder Jean-Christophe und Jean-Philippe Saby das Weingut in der neunten Generation – beide ausgebildete Önologen, beide mit dem Anspruch, das Erbe weiterzugeben, das ihre Vorfahren durch Zukäufe, Erbschaften und Eheschließungen aufgebaut haben.
Den Namen trägt das Château zu Ehren von Abbé Rozier, der im 18. Jahrhundert eines der ersten systematischen Handbücher des modernen Weinbaus verfasste – ein programmatischer Hinweis auf den Stellenwert, den Wissen und Handwerk in dieser Familie seit jeher haben. Heute umfassen die Vignobles Saby insgesamt rund 70 Hektar, verteilt auf mehrere Güter in den Appellationen des Libournais, darunter Château Hauchat-La-Rose in Fronsac und Château Saint-André-Corbin in Saint-Georges-Saint-Émilion.
Ton-Kalkstein, Handlese und ein maßvoller Fasseinsatz
Das Herzstück des Familienbesitzes ist Château Rozier selbst: rund 28 Hektar, aufgeteilt in über 56 Einzelparzellen, die die geologische Vielfalt der Appellation Saint-Émilion Grand Cru in einem einzigen Weingut abbilden. Die vorherrschenden Ton-Kalkstein-Böden geben den Reben – im Schnitt 40 Jahre alt – guten Halt und nötigen sie, tief zu wurzeln. Gelesen wird ausschließlich von Hand.
Im Keller beginnt die Arbeit in Beton- und Edelstahltanks, bevor der Wein für rund zwölf Monate in französische Eichenfässer wandert: 30 Prozent neue Barriques, 70 Prozent ältere. Dieses Verhältnis ist kein Zufall – es erlaubt eine sanfte Oxidation und Strukturgebung, ohne dass das Holz die Frucht überdeckt. Seit 2011 wirtschaften die Sabys nach den Grundsätzen der Haute Valeur Environnementale (HVE), dem französischen Standard für nachhaltigen Weinbau. Terroir und Umwelt stehen dabei im Mittelpunkt, nicht das Spektakel der Machart.
Merlot-Dominanz, Ton-Kalkstein-Tiefe, Abgang mit Zug
Der Château Rozier Saint-Émilion Grand Cru besteht zu 80 Prozent aus Merlot, ergänzt durch Cabernet Franc und einem kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Merlot auf Ton-Kalkstein liefert in Saint-Laurent-des-Combes typischerweise Weine mit samtiger Textur und dunkler Frucht – Brombeere, reife Pflaume, ein Hauch Zedernholz –, während der Cabernet Franc frische Würze und Struktur beisteuert. Der Abgang zeigt den mineralischen Zug, den die Kalksteinböden in dieser Lage regelmäßig hervorbringen.
Wer Rotwein aus dem rechten Ufer schätzt, der Substanz über Effekt stellt, findet in Château Rozier einen verlässlichen Vertreter des klassischen Saint-Émilion. Passt gut zu Lammkeule mit Kräuterkruste, reifem Comté oder Entenbrust mit Linsen. Trinktemperatur: 16–18 °C.