Vom brachliegenden Weinberg zum Aushängeschild der Côtes de Francs
Château Puygueraud liegt bei Saint-Cibard auf einem felsigen Plateau. Von dort schaut man über das Dordogne-Tal in Richtung Saint-Émilion. Die flämische Weinhändlerfamilie Thienpont, seit den 1920er-Jahren mit Vieux Château Certan in Pomerol verbunden, zog 1946 mit George und Monica Thienpont auf das Gut. Sie restaurierten das Schloss aus dem 15. Jahrhundert. Der Weinberg war damals ruiniert.
George Thienpont baute den Boden zunächst mit Getreide und Viehzucht wieder auf. Erst Ende der 1970er-Jahre pflanzte er die Reben neu. 1983 erschien der erste Jahrgang, seitdem keltert sein Sohn Nicolas den Wein. Seit 2009 arbeitet Nicolas mit seinem Sohn Cyrille zusammen. Der Rote des Hauses gilt heute als Referenz der Appellation Francs Côtes de Bordeaux.
Parzelle für Parzelle: Mischkultur auf Kalk und Ton
Die Reben stehen auf Ton und Kalkstein, im Untergrund auf Sternkalk (asteriated limestone), Mergel und Ton. Das Gut bewirtschaftet 42 Hektar Rotweinreben und 5 Hektar Weißweinreben, aufgeteilt auf 67 Parzellen. Cyrille Thienpont beschreibt die Arbeit so: Man suche Jahr für Jahr und Parzelle für Parzelle die beste Übereinstimmung zwischen Boden und Pflanzgut. In den vergangenen Jahren wurde neu gepflanzt, mit zum Boden passenden Unterlagsreben, gezielter Klonwahl und Massalselektion. Das soll den Wein präziser machen.
Puygueraud ist bis heute ein Mischbetrieb. Zwischen den Reben liegen Felder, Getreide und Weiden. Auf 2 Hektar wachsen Bio-Kiwis. Auch die Rinderzucht, die George Thienpont begann, gehört weiter zum Gut.
Merlot mit Cabernet-Franc-Rückgrat und einem Schuss Malbec
Der Hauptwein, Château Puygueraud, besteht überwiegend aus Merlot. Im Weinberg stehen 80 % Merlot, 15 % Cabernet Franc und 5 % Malbec. Für die Appellation ist der Cabernet-Anteil bemerkenswert. Der Malbec ist eine Reminiszenz an den Gründer und steuert eine würzige, pfeffrige Note bei. Beim Jahrgang 2020 beschreibt der Händler Thienpont Wine Aromen von Brombeere und Heidelbeere mit frischer Säure.
In ausgewählten Jahrgängen entsteht außerdem die Cuvée George, benannt nach dem Gründer. Sie enthält stets mindestens ein Drittel Malbec, zusammen mit Cabernet Franc mindestens 80 %. Der Merlot spielt hier nur eine Nebenrolle, was in dieser Region ungewöhnlich ist. Der Weißwein wird seit 2013 erzeugt. Er stammt aus Sauvignon Blanc und Sauvignon Gris und ergänzt das Sortiment um eine frische Variante aus dem Kalkplateau.