Vom Bordeaux-Händler zum Klassifizierten: 375 Jahre Pouget
Die Geschichte des Château Pouget beginnt früher als der Name vermuten lässt. Bereits um 1650 gehörten die Lagen in der Gemeinde Cantenac dem Kanon von Saint-Émilion, Étienne Monteil — ein Hinweis darauf, dass hier schon lange vor der großen Bordeaux-Klassifikation ernsthaft Weinbau betrieben wurde. Den Namen, der bis heute gilt, gab François Antoine Pouget dem Gut: Der Bordelaiser Kaufmann und königliche Berater erbte die Weinberge 1748. Seine Tochter heiratete 1771 Pierre Antoine de Chavailles, und die Familie de Chavailles blieb dem Gut über anderthalb Jahrhunderte treu — durch die Wirren der Französischen Revolution, während der ein Teil der Weinberge an das benachbarte Château Kirwan abgetrennt wurde, bis hin zur Klassifikation von 1855, in der Pouget als Quatrième Grand Cru Classé eingestuft wurde. Seit 1906 liegt das Gut in den Händen der Familie Guillemet; Lucien Guillemet führt es heute als fünfte Generation, seit 1996 als technischer Direktor.
Zehn Hektar, bio-zertifiziert, ganz auf sich gestellt
Château Pouget ist mit seinen 10 Hektar eines der kleinsten klassifizierten Güter des Médoc — und eines der eigenwilligsten. Lucien Guillemet arbeitet bewusst abseits der üblichen Vermarktungswege: Das Château ist weder Mitglied der Union des Grands Crus de Bordeaux noch wird der Wein über die Place de Bordeaux gehandelt. Stattdessen pflegt das Gut langjährige Beziehungen zu ausgewählten Händlern. Die Weinberge liegen auf dem für Cantenac typischen Sand-Kies-Terroir, das für feine Drainage und gleichmäßige Reife sorgt. Die Reben sind im Schnitt 45 bis 50 Jahre alt, mit einer Pflanzendichte von 10.000 Stöcken pro Hektar. Seit dem Jahrgang 2017 ist das gesamte Gut bio-zertifiziert. Geerntet wird ausschließlich von Hand, Laubarbeit und Ausdünnen erfolgen manuell, um Ertrag zu begrenzen und Reife zu konzentrieren.
Im Keller vergärt der Most in temperaturkontrollierten Edelstahlbehältern, die Mazeration dauert je nach Jahrgang 8 bis 35 Tage. Die malolaktische Gärung findet im Fass statt. Anschließend reift der Wein 12 bis 24 Monate in französischen Eichenbarriques — 30 bis 50 Prozent davon neu. Auf Filtration wird verzichtet.
Cabernet-Dominanz, Margaux-Finesse, leise Eleganz
Die Assemblage folgt dem klassischen linken Ufer: rund 60 Prozent Cabernet Sauvignon, 30 Prozent Merlot, 10 Prozent Cabernet Franc, je nach Jahrgang ergänzt durch etwas Petit Verdot. Der Stil ist dem Wesen von Cantenac treu: kein Schwergewicht, sondern ein mittelschwerer Rotwein mit feinkörnigen Tanninen, einer belebenden Säurestruktur und Aromen von dunkler Kirsche, Cassis, Zedernholz und dezenten Röst- und Würznoten aus dem Fassausbau. Pouget ist einer der stillen Vertreter des Médoc — kein Wein für Schlagzeilen, aber einer, der am Glas zeigt, was guter Familienweinbau über Generationen hinweg bedeutet. Passt zu Lammrücken mit Kräuterkruste, gebratener Entenbrust oder reifem Comté.