Vom Kiesberg von Arsac in die Grands Crus Classés: eine Geschichte seit dem 12. Jahrhundert
Der Name sagt alles: Tertre bedeutet auf Französisch so viel wie Hügelkuppe oder erhöhtes Gelände. Auf genau diesem Punkt — dem höchsten Kiesberg der Appellation Margaux — steht Château du Tertre seit fast tausend Jahren. Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins Jahr 1143 zurück, als die Herrschaft von Arsac diese Lagen in Besitz nahm. Im 16. Jahrhundert heiratete Thomas de Montaigne, Bruder des Essayisten Michel de Montaigne, Jacquette d'Arsac und wurde Herr über die Adelssitze von Arsac. Im 17. Jahrhundert wechselte das Gut in die Hände der Familie Ségur, bevor es im 18. Jahrhundert Pierre Mitchell, einem irischstämmigen Glasmacher und ersten Flaschenproduzenten der Bordelaiser Region, gehörte — ein Detail, das erklärt, warum die Weine des Château damals zu den frühen gutsabgefüllten Weinen des Médoc zählten. Das Château-Gebäude selbst wurde 1736 errichtet. Im 19. Jahrhundert erreichten die Weine unter Eigentümer Baron Henri de Koenigswater Weltruhm — 1855 wurde du Tertre als Cinquième Grand Cru Classé in die offizielle Bordeaux-Klassifikation aufgenommen. 1961 kaufte Philippe Gasqueton das damals vernachlässigte Anwesen, pflanzte die Weinberge neu und modernisierte den Keller. Nach seinem Tod erwarb die niederländische Familie Albada Jelgersma das Château 1997 und leitete unter Direktor Alexander van Beek eine tiefgreifende Erneuerung ein — mehr Handarbeit, Rebenpflanzungen, konsequente Weinbergspflege. Seit Januar 2021 gehört du Tertre der Familie Helfrich, die mit Les Grands Chais de France tief im französischen Weinhandel verwurzelt ist und das eingeschlagene Qualitätsprogramm fortsetzt.
Kiesböden, Schwerkraft und parzellengenaue Vinifikation
Das 52 Hektar große Weinberg-Viereck liegt als zusammenhängendes Stück auf zwei kiesigen Kuppen — getrennt nur von einem kleinen Bach, der für natürliche Drainage sorgt. Diese Lage auf Günz-Kiesböden, drei bis fünf Meter tief, schützt die Reben vor Spätfrösten und reguliert den Wasserhaushalt auch in trockenen Sommern. Der Rebspiegel setzt auf Cabernet Sauvignon (43 %), Merlot (33 %), Cabernet Franc (19 %) und Petit Verdot (5 %) mit einem Rebendurchschnittsalter um die 40 Jahre. Ernte von Hand ist seit den frühen 2000er-Jahren Standard; Maschinen wurden vollständig abgelöst. Im Keller ermöglicht ein Mix aus Holztanks, Betonkegeln und Edelstahltanks die parzellengenaue Vinifikation: Jede Parzelle wird separat ausgebaut, erst beim Assemblage entscheidet das Tasting, was in den Grand Vin kommt. Der Ausbau erfolgt 18 Monate in französischen Eichenholzfässern, davon rund 50 % neue Barriques. Befüllt wird ausschließlich per Schwerkraft, ohne Pumpen. Teile des Weinbergs werden inzwischen biodynamisch bewirtschaftet — ohne externe Zertifizierung, aber mit klarem Bekenntnis zur Bodengesundheit.
Zwei Gesichter desselben Terroirs: Grand Vin und Les Hauts du Tertre
Der Château du Tertre, der Grand Vin, zeigt, was Kiesboden auf Höhenlage kann: Cabernet-Sauvignon-Gerüst, das die Struktur vorgibt, dazu Veilchen, dunkle Beerenfrüchte, Zedernholz und ein würziger Abgang mit guter Länge und fest eingebundenen Tanninen. Der hohe Cabernet-Franc-Anteil bringt eine florale, belebende Note, die ihn innerhalb der Margaux-Appellation erkennbar macht. Trinktemperatur: 16–18 °C. Passend zu Lammrücken mit Kräuterkruste, Entenbrust oder gereiftem Hartkäse wie Comté. Les Hauts du Tertre, der zweite Wein, wird mit denselben Ansprüchen vinifiziert und zeigt das Terroir von einer zugänglicheren Seite: lebendige Tannine, Roten Früchten, ein würzig-pikantes Finish. Beide Weine entstehen ausschließlich aus Trauben des Château-eigenen Weinbergs — keine zugekauften Moste, keine Ausnahmen.