Von der Maison Noble zum Grand Cru Classé
Die Geschichte von Château Montlabert reicht tief in die Vergangenheit von Saint-Émilion: Im 18. Jahrhundert firmierte das Anwesen als Maison Noble de Montlabert, und seit 1750 trägt es seinen heutigen Namen. Was als Jagdschloss begann, entwickelte sich über Generationen zu einem eigenständigen Weingut — für fast ein Jahrhundert in den Händen der Familie Decazes, einer der ältesten Kaufmannsfamilien Libourne, die das Gut bewirtschafteten und gleichzeitig im Weinhandel tätig waren. Die dokumentierten Weinbauwurzeln reichen bis ins Jahr 1850 zurück. 2008 übernahm die Castel-Familie das Anwesen — ein Familienunternehmen mit Bordeaux-Verwurzelung seit 1957, das unter dem Banner Castel Châteaux & Grands Crus ein Portfolio bedeutender Güter führt. Der Kauf war kein reines Investment, sondern der Beginn einer langfristigen Neugründung: Über ein Jahrzehnt hinweg hörten die neuen Eigentümer dem Terroir zu, bevor sie den nächsten großen Schritt wagten. 2022 belohnte die offizielle Klassifizierung diese Geduld: Château Montlabert wurde in den Rang eines Grand Cru Classé de Saint-Émilion erhoben.
Ein Jahrzehnt Zuhören — dann ein neuer Keller
Der Übergang von der Übernahme zur Inauguration dauerte zwölf Jahre — und war bewusst so geplant. Zuerst die Weinberge: Chemische Düngemittel und Herbizide wurden abgeschafft, Drainagearbeiten optimiert, einzelne Parzellen neu bepflanzt und die Pflanzrohdichte erhöht. 2011 folgte die Zertifizierung durch Terra Vitis, das anerkannte Label für nachhaltigen Weinbau. Der nächste Schritt war der Keller: Innerhalb von nur anderthalb Jahren entstand unter Leitung von Architekt Olivier Chadebost ein modernes Vinifikationszentrum, das 2019 für den ersten Jahrgang bereitstand und 2020 offiziell eingeweiht wurde. Sechzehn thermoregulierte, kegelförmige Tanks ermöglichen die parzellenweise Vinifizierung. Die malolaktische Gärung findet im Fass statt, die Reifung dauert im Schnitt 14 Monate in französischen Eichenholzfässern zu 50 % Neuholzanteil. Bioklimatische Details wie ein in den Tonboden eingelassener Barriqueraum — wo die Temperatur natürlich bei rund 15 °C stabilisiert — zeigen, dass Nachhaltigkeit hier kein Etikett ist, sondern konstruktiver Bestandteil der Architektur.
Das Herzstück des Guts sind 21 Hektar auf zwei räumlich getrennten Terroirs. Die 12,5 Hektar rund um das Schloss — aufgeteilt auf neunzehn Parzellen — bestehen aus sandigem Untergrund mit Schichten aus blauem Ton, ähnlich dem Terroir der direkten Nachbarn Cheval-Blanc und Figeac. 2017 kam eine zweite, acht Hektar große Parzelle in Saint-Christophe-des-Bardes hinzu: dort dominiert Kalk-Ton-Boden, besonders günstig für Cabernet Franc.
Eleganz vor Kraft — zwei Weine, eine Handschrift
Château Montlabert setzt auf Eleganz statt auf Gewicht. Die Rebsortenverteilung — 80 % Merlot, 20 % Cabernet Franc — spiegelt das klassische Profil des rechten Ufers wider. Der Grand Cru Classé, ausschließlich aus den neun besten Parzellen rund um das Schloss, verbindet mineralische Noten mit saftigen roten Früchten und einer feinen Tanninstruktur; der Cabernet Franc liefert die aromatische Linie und Frische, der Merlot die Textur und das fleischige Mundgefühl. La Croix de Montlabert, der Zweitwein, folgt derselben Rebsortenformel und demselben Anspruch: strukturiert, fruchtig, mit seidiger Textur — ein eigenständiger Saint-Émilion Grand Cru, kein bloßer Absteiger. Beide Weine passen zu Lamm mit Kräuterkruste, Entenbrust mit Pinot-Jus oder gereiftem Comté.