Königliche Berater, ein Literat-Urgroßvater und drei Generationen Zuger
Die Geschichte von Château Malescot Saint-Exupéry reicht bis ins frühe 17. Jahrhundert: 1616 befand sich das Gut im Besitz der Familie Escousses, königliche Notare im Bordeaux der Bourbonen. 1697 erwarb Maître Simon Malescot die Anlage — Berater Ludwigs XIV. für das Bordeaux-Parlament — und gab ihr seinen Namen. 1827 kam mit Graf Jean-Baptiste de Saint-Exupéry ein weiterer Namensgeber hinzu: Er war der Urgroßvater des Schriftstellers und Fliegers Antoine de Saint-Exupéry, Autor des Kleinen Prinzen. Der Graf lebte über seine Verhältnisse; seine Witwe musste das Château 1853 versteigern lassen.
Über die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts investierten neue Besitzer, darunter Messrs. Fourcade und Boissac, erheblich in Keller und Weinberg — die Anlagen galten 1870 als Vorbild für andere Médoc-Güter. Nach einer unruhigen Phase wechselnder Eigentümer kauften Paul und Roger Zuger das Château im Juni 1955, als es gerade einmal 7 Hektar umfasste. Drei Generationen der Familie Zuger haben seitdem das Weingut auf heute 28 Hektar in der Appellation Margaux ausgebaut. Jean-Luc Zuger, Enkel des Mitbegründers, leitet das Gut heute in dritter Generation.
Kalkhaltiger Kies, natürliche Hefen und der Anspruch, Terroir zu lesen
Das Herzstück von Malescot Saint-Exupéry ist sein Boden: Kies über Ton und Kreide, mit Eiseneinlagerungen, teils bis zu zehn Meter tief. Einige Parzellen grenzen unmittelbar an die Lagen von Château Margaux. Mit einer Pflanzdichte von 10.000 Stöcken pro Hektar wird der Ertrag konsequent begrenzt. Bei der Handlese gelangen die Beeren in Kisten, um Quetschungen vor dem Kelterhaus zu vermeiden — ein Detail, das bei der Arbeit mit Cabernet Sauvignon den Unterschied zwischen frischer und oxidativer Frucht ausmacht.
Im Keller setzt Jean-Luc Zuger gemeinsam mit Beratungsönologe Michel Rolland auf natürliche Hefen: Designerhefen, so die Überzeugung im Château, nivellieren genau jene Terroir-Signatur, die den Wein von Margaux unverwechselbar macht. Vergoren wird in unterschiedlichen Behältern, darunter auch Glasgefäße, um Frische und Frucht zu sichern. Geerntet und vinifiziert werden vier klassische Bordeaux-Sorten: 50 % Cabernet Sauvignon, 35 % Merlot, 10 % Cabernet Franc und 5 % Petit Verdot.
Struktur und Seidigkeit — der Stil eines echten Margaux-Drittgewächses
Das Château war bereits in der berühmten Bordeaux-Klassifikation von 1855 als Troisième Grand Cru Classé eingestuft — ein Rang, dem Jean-Luc Zuger mit Nachdruck gerecht zu werden versucht. Die Weine zeigen die für Margaux typische Verbindung aus Struktur und Finesse: Cabernet-Sauvignon-Gerüst mit reifer dunkler Frucht, gestützt von dem feinen, fast puderartigen Tannin, das der tiefe Kiesboden dieser Appellation hervorbringt. Die Lagen direkt neben Château Margaux und Château Rauzan-Ségla verraten sich im Glas — Eleganz vor Kraft, langer Abgang. Zum grand vin gesellt sich mit de la Marquise de Malescot ein Zweitwein, in dem jüngere Reben und freier selektierte Partien zum Einsatz kommen. Wer die Margaux-Appellation in ihrer klassischen, Cabernet-geprägten Ausprägung kennenlernen möchte, findet in Malescot Saint-Exupéry einen zuverlässigen Referenzpunkt.