Vom Kult des 16. Jahrhunderts zum Premier Grand Cru Classé B
Die Wurzeln von Château Larcis Ducasse reichen tief: Bereits im 16. Jahrhundert galten seine Weine als besonders begehrt, und 1777 erwarb der Libourne-Händler Pierre Beylot sie zu einem außergewöhnlich hohen Preis. Den modernen Grundstein legte 1893 Henri Raba, der das Gut kaufte und damit den Grundstein für über ein Jahrhundert Familienbesitz legte. Nach seinem Tod 1925 führten seine Witwe und sein Sohn André Raba das Weingut fort, bevor es 1941 an Hélène Gratiot Alphandéry überging. Ihr Sohn Jacques-Olivier Gratiot übernahm das Erbe 1990 — heute firmiert die Familie als Gratiot-Attmane. Jahrzehntelang blieb das Potenzial der Lage jedoch unausgeschöpft: Die Weine verloren an Kritikerlob und Aufmerksamkeit. Das änderte sich schlagartig, als die Familie 2002 Nicolas Thienpont mit der Leitung betraute, gemeinsam mit Önologe David Suire und den Beratern Stéphane Derenoncourt und Julien Lavenu. Zehn Jahre später, 2012, wurde Larcis Ducasse in der Saint-Émilion-Klassifikation von Grand Cru Classé zum Premier Grand Cru Classé B aufgestuft — eine Anerkennung, die den messbaren Qualitätssprung seit 2002 bestätigte.
Terroir-Treue, biologischer Anbau und handwerkliche Präzision im Keller
Das Weingut umfasst 11,15 Hektar auf der Côte de Pavie, dem südexponierten Hang, der den Kalksteinplateau von Saint-Émilion mit den unteren Terrassen verbindet — direkt neben Château Pavie, mit Blick ins Dordogne-Tal. Die Böden bilden ein Mosaik aus asterisiertem Kalkstein, tonig-lehmigen und kolluvialen Ton-Kalk-Böden. Die Reben sind im Schnitt 35 Jahre alt und stehen in einer Lage, die sowohl vor Norddwind als auch vor Frosteinfällen geschützt ist. Ab dem Jahrgang 2005 stellte das Team die gesamte Bewirtschaftung auf 100 % biologischen Anbau um. Im Keller setzt man auf Schwerkraftkeller (Gravity Flow), Ganztraubenvergärung in Zementtanks, eine Maischestands-dauer von 25 bis 28 Tagen sowie eine Reifung von 16 bis 18 Monaten in französischen Eichenholzfässern (50 % neu, 50 % einjährig). Grundlegende Änderungen brachte das neue Team bereits bei der Lese: Wo vorher innerhalb von zwei bis drei Tagen früh geerntet wurde, nimmt die selektive Handlese heute zwei bis drei Wochen in Anspruch — bis jede Parzelle ihr optimales Reifefenster erreicht hat.
Kraft und Finesse aus Kalk und Ton — was dich bei den Weinen erwartet
Der Hauptwein ist eine Cuvée aus überwiegend Merlot (rund 83–86 %) und Cabernet Franc (14–17 %). Der Stil verbindet die fleischige Tiefe des rechten Ufers mit einer für Saint-Émilion ungewöhnlichen Mineralität und Frische, die direkt aus dem Kalksteinuntergrund kommt. Typische Aromen: rote und dunkle Kirschen, Pflaume, Lakritze, ein Hauch Rauch und Trüffel, dazu eine markante Schiefer- und Kreidewürze im Abgang. Die Tannine sind präsent, aber seidig — kein Gewichtheber, sondern ein strukturierter, langlebiger Wein mit echtem Reifepotenzial. In kühleren Jahrgängen zeigt Larcis Ducasse eher herzhafte, salzige Züge; in warmen Jahren wie 2022 tritt die Fruchtdichte stärker in den Vordergrund, ohne die Linie zu verlieren. Wer sich für den Premier Grand Cru Classé B entscheidet, sollte ihm Zeit geben: Mehrere Jahre Flaschenreife lohnen sich, und das Trinkfenster erstreckt sich typischerweise über ein Jahrzehnt und mehr.