Vom Gutsgelände Ludwigs XIV. zum Cru Classé der Provence
Château Galoupet gehört zu den ältesten Weingütern der Provence: Das Anwesen bei La Londe-les-Maures taucht bereits auf den ersten Karten auf, die im Auftrag Ludwigs XIV. gezeichnet wurden. Diese kartografische Erwähnung ist kein bloßes Kuriosum – sie belegt, dass das Gut schon im 18. Jahrhundert als bedeutende Besitzung galt. Den formalen Ritterschlag erhielt das Terroir 1955, als Galoupet in die Klassifizierung der Crus Classés des Côtes de Provence aufgenommen wurde – eine der 18 Appellationen, die diese Auszeichnung tragen. Jahrzehnte später drohte das Potenzial des Gutes in Vergessenheit zu geraten: Der damalige Eigentümer konzentrierte sich auf Veranstaltungen statt auf die Reben, und zahlreiche Parzellen der 69 Hektar Weinberge fehlten ganz. 2019 erwarb Moët Hennessy – der Wein- und Spirituosenarm von LVMH – das Gut und machte es zum ersten Rosé-Weingut in seinem Portfolio. Seither läuft eine grundlegende Neuausrichtung, die das Terroir in den Mittelpunkt rückt.
Biologischer Landbau, lebendige Böden, 77 Hektar Wald
Das Gutsgelände umfasst 77 Hektar geschützten Mischwald sowie 69 Hektar Weinberge – eine Lage, die den Reben Schutz, natürliche Belüftung und eine ausgeprägte Eigenständigkeit gibt. Die Böden auf dem Gut wechseln zwischen schwarzem Phyllit, schistösem Sandstein und Kolluvionen; alle drei Typen prägen Frische, Mineralität und aromatische Tiefe des Weins. Bewirtschaftet werden die Parzellen parzellen-spezifisch: Jede der bis zu sieben Rebsorten – Grenache, Syrah, Tibouren, Rolle, Cinsault, Mourvèdre und Sémillon – wird separat vinifiziert, bevor der Kellermeister die Assemblage festlegt. Für den Cru Classé werden rund 40 Prozent des Weins in 600-Liter-Demi-Muids aus französischer Eiche ausgebaut und anschließend vier bis fünf Monate auf der Feinhefe belassen. Die Bio-Zertifizierung erhielt das Gut 2023 – als erstes Weingut im gesamten LVMH-Portfolio. Ergänzt wird die Arbeit im Weinberg durch Agroforst, Begrünungen zwischen den Reihen und ein aktives Biodiversitätsprogramm mit Bienenbeständen auf dem Gelände, das in Zusammenarbeit mit dem Observatoire Français d'Apidologie betrieben wird.
Gastronomischer Rosé mit salzigem Abgang – und eine klare Handschrift
Was Galoupet vom durchschnittlichen Provence-Rosé unterscheidet, ist der Anspruch, keinen Sommerrosé zu machen, sondern einen Gastronomiewein. Der Cru Classé setzt auf eine Cuvée aus Grenache, Syrah, Rolle und dem seltenen, provenzalischen Tibouren – eine Rebsorte, die dem Weingut besonders am Herzen liegt und die es nach eigener Aussage fast im Alleingang revitalisiert hat. Tibouren liefert Struktur, Frische und die charakteristische Salinität, die den Weinen von La Londe eigen ist: Die Nähe zur Mittelmeerküste und die Salzgischt der Brise sind im Glas spürbar. In der Nase zeigen sich gelbe Pfirsiche, Pomelo, Aprikose und Garrigue-Kräuter; am Gaumen folgt ein voller, seidiger Körper mit langem, mineralisch-salzigem Abgang. Ergänzend steht G de Galoupet als zugänglichere Côtes-de-Provence-Cuvée im Sortiment, die Winzer aus dem Umland einbindet. Beide Weine kommen in ökologisch weiterentwickelten Flaschen – der Cru Classé im Bernsteinglas aus recyceltem Glas. Zum Tisch passen beide Rosés zu gegrilltem Fisch, mediterranem Gemüse, Sushi oder einem reifem Comté.