Vom mittelalterlichen Herrensitz zum führenden Brouilly-Weingut
Die Geschichte des Château des Tours reicht bis ins Jahr 1331 zurück, als Guichard VI. le Grand, Herr und Baron des Beaujolais, als erster urkundlich belegter Eigentümer des Anwesens gilt. Über Jahrhunderte wechselten verschiedene Adelsfamilien als Besitzer, bis das Château 1986 von der Familie Richard erworben wurde. Sie renovierten das Anwesen grundlegend und richteten es konsequent auf Weinbau aus. Seither gehört Château des Tours zum Verbund der Domaines Richard, einem Zusammenschluss von acht Weingütern in verschiedenen französischen Appellationen. Im Beaujolais ist es das Herzstück: 70 Hektar Gamay-Reben auf den Gemeinden Saint-Étienne-la-Varenne, Odenas und Saint-Lager, mitten im Cru Brouilly.
Granit, Schiefer und über hundert Handleser pro Ernte
Das Château liegt in einem natürlichen Amphitheater unterhalb des Mont Brouilly. Die Böden wechseln zwischen sandigem Oberboden und einem Untergrund aus Schiefer und rosa Granit – ein Fundament, das den Weinen eine ausgeprägte Mineralität mitgibt. Einige der Rebstöcke zählen mehr als 80 Jahre, die ältesten Parzellen wurden noch während des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts bepflanzt. Vinifiziert wird mit dem Anspruch, das Terroir sprechen zu lassen: Handlese mit über 100 Erntehelfern über rund 15 Tage, sorgfältige Selektion im Weinberg. Das gesamte Team übernachtet während der Ernte in den restaurierten Gîtes des Château – ein Rhythmus, der Konzentration und Kontinuität sichert.
Brouilly mit Struktur: Gamay, der Zeit braucht
Château des Tours produziert ausschließlich im Cru Brouilly – einen der zehn Beaujolais-Crus, der für mehr Substanz und Lagerfähigkeit steht als das einfache Beaujolais-Villages. Die Weine kommen aus reinem Gamay, geprägt von dunklem Kirsch- und Pflaumenfrucht, floralen Akzenten und dem würzig-mineralischen Zug des Granits. Der Gaumen ist dicht, saftig strukturiert, mit runden Tanninen und einer frischen Säure, die dem Wein Halt gibt. Besonders aus den Vieilles-Vignes-Parzellen – Reben über 50 Jahre alt – entstehen Cuvées mit spürbarer Tiefe und langem Abgang. Passen gut zu Geflügel, kaltem Aufschnitt, Terrine oder einem reifem Ziegenkäse aus der Auvergne. Serviertemperatur: 14–16 °C.