Fünf Jahrhunderte Bérerd – verwurzelt in Le Perréon
Das Domaine de la Madone der Familie Bérerd gehört zu den ältesten Weingütern im Beaujolais. Seit über 500 Jahren bewirtschaftet dieselbe Familie ihre Lagen rund um das Dorf Le Perréon – ein kontinuierlicher Familienfaden, der in dieser Region seinesgleichen sucht. Über Generationen ist das Gut gewachsen und umfasst heute rund 28 Hektar, aufgeteilt auf etwa 90 Einzelparzellen mit unterschiedlichen Expositionen und Höhenlagen. Die Cuvée „Jean-Baptiste Bérerd" trägt den Namen des Großvaters der heutigen Eigentümer – ein stilles Bekenntnis zu den Wurzeln. Heute leiten die Brüder Olivier und Bruno Bérerd das Weingut gemeinsam; eine weitere Generation, die dem Granit von Le Perréon verpflichtet ist.
Steilhang statt Traktor – Handwerk auf rosa Granit
Le Perréon liegt im nördlichen Beaujolais und teilt seine Geologie mit dem berühmten Cru Fleurie: rosa verwitterter Granit, mineralreich, arm an Nährstoffen, ideal für konzentrierte und aromatisch präzise Gamay-Trauben. Die Weinberge der Bérerds zählen zu den höchstgelegenen der Appellation und fallen stellenweise mit 30 bis 40 Grad Neigung ab – zu steil für einen Traktor. Jede Traube wird von Hand gelesen und direkt im Keller ein zweites Mal selektiert.
Die Reben sind zwischen 15 und 100 Jahre alt, der Durchschnitt liegt bei rund 40 Jahren; viele Parzellen zählen zu den ältesten überhaupt im Beaujolais-Villages-Gebiet. Im Keller arbeiten die Brüder konsequent burgundisch: vollständiges Entrappen, Gärung auf Naturhefen, schonende Vinifikation im Edelstahltank zum Erhalt der Fruchtaromatik. Parallel dazu gibt es die Cuvée „La Vinif à Papa" – eine Hommage an den Vater, der in den 1960er-Jahren im Stil der Karbonischen Mazeration und ohne Schwefelzusatz kelterte. Rund 2,5 Hektar des Gutes werden inzwischen vollständig biologisch bewirtschaftet; der Rest wird weitgehend ohne Pestizide bewirtschaftet.
Gamay auf Cru-Niveau – das Sortiment der Bérerds
Was die Weine von Domaine de la Madone (Le Perréon) auszeichnet, ist das Missverhältnis zwischen Appellation und tatsächlichem Qualitätsniveau: Formal tragen sie das Beaujolais-Villages-Etikett, ihr Charakter entspricht dem eines Cru. Das Terroir-Argument ist stichhaltig – Boden, Höhe, Alter der Reben und Hanglage sind mit Fleurie oder Brouilly vergleichbar, nur die bürokratische Grenze fehlt. Im Glas zeigt sich das in Aromen von Kirsche, Himbeere und roten Beeren, unterlegt von Backgewürzen und einem feinen mineralischen Zug. Die Tannine sind seidig, die Säure lebendig ohne Kanten, der Abgang hält länger an, als man es von einem „Villages" erwartet. Das Sortiment umfasst die klassische Tradition-Cuvée, eine Bio-Linie sowie die auf alten Reben fußende „Jean-Baptiste Bérerd"-Selektion – dazu einen Beaujolais Blanc aus Chardonnay, gepflanzt auf den nördlichen Granithängen des Gutes. Trinktemperatur: 14–16 °C, zu gegrilltem Geflügel, Lyoner Wurst oder kräftigem Ziegenkäse.