Von der Mönchsrebe zur Familienlegende: 1847 bis heute
Das Weinland rund um Saint-Émilion wurde bereits im Mittelalter von den Mönchen der Kirche Saint-Martin bewirtschaftet. Was daraus wurde, trägt seit 1847 den Namen Duffau-Lagarrosse. In jenem Jahr erwarb die Familie das Gut, das damals noch ein gemeinsames Anwesen mit dem heutigen Château Beau-Séjour Bécot bildete. 1869 teilte Pierre-Paulin Ducarpe das 14 Hektar große Weinberg-Erbe unter seinen beiden Kindern auf. Der kleinere Teil fiel an seine Tochter Madeleine, die nach ihrer Heirat den Namen Duffau-Lagarrosse annahm — und damit den Grundstein für eines der beständigsten Familienweingüter der Appellation legte. Seit der ersten offiziellen Klassifikation von Saint-Émilion im Jahr 1955 steht das Château ununterbrochen in der Spitzenkategorie der Premier Grands Crus Classés, ohne diese Stellung je zu verlieren.
Im April 2021 stand das Gut zum Verkauf, nachdem sich die rund 30 Familienmitglieder, die als Gesellschafter beteiligt waren, nicht einigen konnten. Nach einem kurzen, intensiven Bieterwettbewerb blieb der Name Duffau-Lagarrosse auf dem Etikett: Joséphine Duffau-Lagarrosse, neunte Generation der Gründerfamilie, sicherte das Erbe gemeinsam mit Prisca Courtin, Urenkelin des Clarins-Gründers, für die Zukunft. 2023 wurde der Name offiziell auf Château Beauséjour verkürzt — ein Zeichen für den Neuanfang, nicht für einen Bruch.
Präzision im Weinberg, Architektur im Keller
Die knapp 6,8 Hektar Rebfläche liegen auf dem oberen, südwestlich exponierten Hang von Saint-Émilion, umgeben von anderen Premiers Grands Crus. Der Boden wechselt auf einer Höhendifferenz von rund 30 Metern: oben Kalksteinplateau mit Sternchen-Fossilien und Ton, auf halber Hanghöhe Molasse und Kalkmergelböden, am Fuß des Hangs altes Kolluvium. Merlot dominiert mit rund 81 Prozent, Cabernet Franc ergänzt mit etwa 16 Prozent. Cabernet Sauvignon wird schrittweise durch weiteren Cabernet Franc ersetzt — eine Entscheidung, die auf mehr Frische und Spannung im Wein abzielt.
Im Weinberg arbeitet das Gut nach ökologischen Grundsätzen, ohne sich zertifizieren zu lassen, um Handlungsspielraum zu behalten. HVE-zertifiziert ist es dennoch. Das Weinbergsteam um Christophe und Izilda Chanloup begleitet das Château seit fast 30 Jahren. Die Trauben werden von Hand gelesen, vollständig entrappt und per Schwerkraft in die Tanks bewegt — ohne Pumpen, die Beerenhäute beschädigen könnten. Eine Kaltmazeration vor der Gärung bereitet die Extraktion vor. Die Vergärung findet parzellenweise statt: Aus zehn Parzellen entstehen separate Cuvées, die erst später verschnitten werden. 2024 wurde der Keller grundlegend modernisiert — 14 Zementtanks unterschiedlicher Größe, deren Wände ein 360-Grad-Fresko des gesamten Weinguts zeigen, ersetzen die alten Bottiche. Der Ausbau erfolgt in Eichenfässern über 16 bis 18 Monate. Für die önologische Beratung zeichnen Axel Marchal und Julien Viaud verantwortlich, zwei der gefragtesten Konsultanten der neuen Bordeaux-Generation.
Mineralisch, frisch, langlebig — der Stil von Beauséjour
Die Weine spiegeln die Lage: Der Kalkstein gibt Spannung und mineralischen Zug, der Ton verleiht dem Merlot Fleisch ohne Schwere. Das Ergebnis sind Rotweine mit dichter, aber nie massiver Struktur, feiner Tanninschmelze und einer salzigen Frische im Abgang, die auch nach Jahrzehnten im Keller trägt. Besonders die Jahrgänge 1990, 2009 und 2010 gelten als Referenzpunkte der Appellation. Unter der Leitung von Joséphine Duffau-Lagarrosse entwickelt sich der Stil in Richtung größerer Eleganz und kühler Frucht — ihr erklärtes Ziel ist es, Weine zu machen, wie ihre Großeltern sie gemacht haben: ohne Übertreibung, mit klarem Herkunftsbezug. Neben dem Grand Vin erscheint als Zweitwein die Croix de Beauséjour, die einen früheren Zugang zum selben Terroir bietet.