Von römischen Rebwurzeln zur Familiensaga der Bécots
Auf dem Kalksteinplateau westlich von Saint-Émilion wachsen die Reben von Beau-Séjour Bécot bereits seit der Antike – Ausgrabungen belegen Weinbau aus dem 3. Jahrhundert, im Mittelalter bewirtschafteten die Mönche der Abtei Saint-Martin die Parzellen. 1787 gab General Jacques de Carles dem Anwesen den bis heute gültigen Namen „Beau-Séjour“, den schönen Aufenthalt.
1969 erwarb Michel Bécot, der bereits das benachbarte Château La Carte besaß, das Gut und fügte seinen Namen hinzu. Ab 1985 übernahmen seine Söhne Gérard und Dominique die Leitung, senkten die Erträge und arbeiteten konsequent an der Qualität. Eine umstrittene Zusammenlegung von Rebflächen kostete das Château 1986 kurzzeitig den Rang eines Premier Grand Cru Classé – 1996 wurde die Klassifikation nach jahrelanger Aufbauarbeit bestätigt. Seit 2001 führt Juliette Bécot, Gérards Tochter, das Weingut gemeinsam mit ihrem Mann Julien Barthe.
Kalkstein, Handarbeit und ein neuer Gärkeller
Die Reben stehen auf Ton-Kalk-Böden des westlichen Plateaus, unter denen sich ein Netz ehemaliger Kalksteinbrüche erstreckt. Michel Bécot ließ sieben Hektar dieser unterirdischen Steinbrüche zu einem Lagerkeller umbauen, in dem heute über hundert Jahrgänge bei konstanter Temperatur ruhen. Die Ernte erfolgt von Hand, die Trauben werden parzellenweise verarbeitet und auf mehreren Tischen sortiert.
2023 nahm das Château einen neuen Gär- und Ausbaukeller in Betrieb, der die parzellengenaue Vinifikation weiter verfeinert. Neben klassischen Barriques kommen inzwischen auch Foudres und Amphoren zum Einsatz – die technischen Neuerungen, die Gérard und Dominique Bécot an der Spitze des Guts einführten, entwickeln Juliette Bécot und Julien Barthe heute konsequent weiter.
Merlot-geprägte Weine mit salziger Kalksteintiefe
Die Assemblage basiert auf Merlot, ergänzt durch Cabernet Franc und einen kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Im Glas zeigen sich Kakaobohne, dunkle Beeren und Veilchen, am Gaumen feinkörnige Tannine und ein salziger, straffer Zug, den nur dieser Kalkboden schenkt. Trinktemperatur um 17 °C lässt die Struktur am besten zur Geltung kommen. Zu geschmortem Rinderbäckchen, Entenconfit mit Linsen oder gereiftem Comté entfaltet der Saint-Émilion Premier Grand Cru Classé sein volles Aromenspiel.