Von Reims in die Königshöfe — und zurück
Das Haus Irroy gehört zu den ältesten Negociant-Häusern der Champagne. 1820 in Reims gegründet, baute Ernest Irroy die Marke zu einem Namen aus, der an europäischen Königshöfen und im Élysée-Palast bekannt war. Rund 135 Jahre später, 1955, erwarb Champagne Taittinger das Haus — mitsamt dem Hôtel Particulier am Boulevard Lundy, der bis heute die Adresse des Hauses ist. Irroy verschwand danach weitgehend im Schatten der großen Taittinger-Marke, bis die Familie beschloss, das schlafende Erbe zu wecken und das Label als eigenständige Maison wiederzubeleben.
Was als Handelshaus für Schaumwein begann, reicht in seiner Weinbautradition noch weiter zurück: Die Wurzeln der Cuvées liegen in Lagen rund um das Château d'Irroy und den Konvent von Avenay, tief im Val d'Or der Montagne de Reims.
Taittinger-Keller, eigene Handschrift
Das Revival von Irroy ist kein Marketingprojekt auf dem Papier — dahinter stehen zwei konkrete Personen mit klar verteilten Rollen. Maxime Andriveau leitet das Haus als Président, Damien le Sueur als Directeur Général. Die Weinbereitung verantwortet Alexandre Ponnavoy, der seit 2015 als Kellermeister bei Taittinger arbeitet und die Cuvées von Irroy in den eigenen Caves des Hauses ausarbeitet. Ponnavoy stammt aus dem Burgund, studierte Agronomie und Pflanzenphysiologie in Dijon und sammelte Erfahrungen mit Schaumweinen in Kalifornien und Südafrika, bevor er zur Station Œnotechnique de Champagne wechselte und schließlich nach Reims kam.
Die Weinberge liegen in mehreren Dörfern der Montagne de Reims — darunter die Grand-Cru-Lagen Verzy und Bouzy sowie die Premiers Crus Mareuil-sur-Aÿ und Avenay Val d'Or. Die Rebzeilen werden ohne Herbizide bewirtschaftet und mechanisch bearbeitet, um den Trauben eine klare Terroirprägung zu ermöglichen.
Fruchtig, präzise, wenig dosiert
Der Stil von Irroy ist bewusst zeitgemäß: lebendige, fruchtbetonte Champagner mit niedriger Dosage, die sich von den schwereren, stärker dosierten Stilen älterer Häuser abheben. Im Extra Brut verbinden sich die beiden Pinots — Noir und Meunier — mit Chardonnay zu einem blassen Gold, das frische Weißfruchtnoten, Pfirsich, Pflaume und Weißdorn zeigt. Die Säurestruktur ist straff ohne Schärfe, der Abgang zitronig-mineralisch. Das Brut Rosé fügt dieser Linie Rotfrucht und Struktur hinzu. Beide Cuvées eignen sich als Aperitif, passen aber auch zu leichter Küche: Austern, Jakobsmuscheln, Ceviche oder Ziegenkäse.
Gault & Millau hat die Rückkehr des Hauses in seiner Champagner-Selektion positiv aufgenommen und beschreibt Irroy als Marke mit frischem, modernem Auftritt. Die Hachette des Vins zeichnete den Extra Brut mit einem Stern aus — als Beleg dafür, dass hinter dem Revival echte Substanz steckt und nicht nur ein bekannter Name.