Von neun Genossenschaften zur Weltmarke des Lambrusco
Am 10. Februar 1950 schlossen sich neun Genossenschaftskellereien aus der Provinz Reggio Emilia zur Cantine Cooperative Riunite zusammen — in einer Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, in der kollektives Handeln mehr zählte als individueller Besitz. Ziel war es, den regionalen Weinbau gemeinsam zu organisieren, die autochthonen Rebsorten der Po-Ebene zu fördern und damit eine Vermarktungsstruktur zu schaffen, die kein einzelner Betrieb allein hätte stemmen können. Die Genossenschaft wuchs rasch: Schon in den 1960er-Jahren verdoppelte sich das Produktionspotenzial, eine neue Kellerei in Reggio Emilia entstand. 1969 landete der Lambrusco von Riunite erstmals auf dem amerikanischen Markt — mit durchschlagendem Erfolg. 1973 war die Marke der meistverkaufte Importwein der USA; der Höhepunkt folgte 1985 mit 11,5 Millionen Kartons, ein Rekord, der bis heute gilt.
Elf Jahre nach der Gründung von Riunite hatten sich vier Kellereien aus der Provinz Modena zum Consorzio Interprovinciale Vini (CIV) zusammengeschlossen. Im September 2008 fusionierten beide Genossenschaften zur heutigen Cantine Riunite & CIV — mit Sitz in Campegine, Provinz Reggio Emilia. 2002 hatte Riunite bereits Cantine Maschio übernommen und seine Stellung als führendes Schaumweinunternehmen ausgebaut.
Genossenschaftliche Wurzeln, moderne Kellerwirtschaft
Heute bilden über 1.700 Mitgliedsbetriebe aus den Provinzen Modena und Reggio Emilia das Fundament der Genossenschaft. Sie bewirtschaften zusammen rund 4.700 Hektar Rebfläche und liefern das Rohmaterial für zwölf Kellereien und drei Abfüllanlagen — eine davon zählt zu den modernsten weltweit. Der genossenschaftliche Gedanke ist dabei kein Marketingversprechen, sondern gelebte Struktur: Jedes Mitglied trägt Verantwortung für Qualität und Ertrag, von der Lese bis zur Abfüllung. Cantine Riunite kontrolliert damit jeden Schritt der Produktion selbst — vom Weinberg bis zur Flasche. Moderne Vinifikationstechniken gehören zum erklärten Selbstverständnis. Die Charmat-Methode, bei der die Zweitgärung im Drucktank stattfindet, sorgt für die charakteristische, frische Perlage des Lambrusco.
Lambrusco in seiner ganzen Bandbreite — fruchtig, spritzig, emilianisch
Das Herz des Sortiments ist die autochthone Lambrusco-Rebe, die in der Po-Ebene ihren natürlichen Lebensraum hat: tiefgründige, fruchtbare Böden, warme Sommer, ausreichend Niederschlag. Riunite vinifiziert Lambrusco in mehreren Stilistiken — vom rubinroten Rosso mit Veilchen-Aromen und rotbeeriger Frucht bis zum Bianco aus weißkelterten Trauben mit floralen Noten und grüner Apfelfrucht. Dazu kommt ein Frizzantino Dolce mit feiner, prickelnder Süße. Allen Weinen gemein ist ein niedriger Alkoholgehalt, eine lebendige Kohlensäure und ein unkomplizierter, geselliger Charakter — gemacht für die Tafel, nicht für den Keller. Das passt zu Mortadella und Parmigiano am Aperitivo-Brett genauso wie zu herzhafter Pasta Bolognese oder Pizza mit kräftigem Belag. Riunite exportiert seine Weine heute in über 80 Länder und ist damit der meistverkaufte Lambrusco der Welt.