Aus dem Herz Siziliens: Wie eine Genossenschaft die Weine von Sambuca neu erfand
Cantina Cellaro wurde 1969 von einer Gruppe lokaler Winzer in Sambuca di Sicilia gegründet, einem alten Ort in der Provinz Agrigent an den Ausläufern der Monti Sicani — seit dem Mittelalter als Zabut bekannt, von arabischen Siedlern im 9. Jahrhundert angelegt. Drei Jahre nach der Gründung, 1972, nahm die Genossenschaft den regulären Weinbaubetrieb auf. Damals bündelten die Mitgliedsfamilien ihr Wissen und ihre Trauben, um das wirtschaftliche Überleben der gesamten Region zu sichern: Cellaro hat die Landschaft von Sambuca buchstäblich mitgeprägt — Getreidäcker wichen dem Grün der Reben. Ein entscheidender Schritt folgte 1980, als die Kellerei begann, ihre Weine direkt vor Ort abzufüllen, statt die Ernte andernorts vinifizieren zu lassen. Eine strategische Partnerschaft mit der apulischen Weingruppe Farnese Vini brachte schließlich frische Impulse: Das Sortiment wurde überarbeitet, die Kellerausstattung modernisiert, und ein systematisches Kartierungsprojekt der Weinberglagen begann.
Heute bündelt Cellaro die Ernten von mehreren hundert Mitgliedsbetrieben und bewirtschaftet eine Gesamtfläche von über 1.500 Hektar Weinberge — eine der bedeutendsten Genossenschaften Westsiziliens.
Hügellage, Meeressediment und Windkraft: Wie Cellaro mit seinem Terroir arbeitet
Die Weinberge rund um Sambuca di Sicilia liegen auf 300 bis 700 Meter Höhe — für sizilianische Verhältnisse bemerkenswert hoch. Die Böden bestehen aus tonigen Meeressedimenten der mittleren Hügellagen und geben den Weinen eine natürliche Struktur und Frische, die dem ersten Bild der brütend heißen Insel widerspricht. Die Meeresnähe zur südwestlichen Küste sorgt für die kühlen Nächte, ohne die aromatische Tiefe bei Nero d'Avola oder Nerello Mascalese kaum entstünde. Nachhaltigkeitsdenken ist in Sambuca sichtbar: Auf den Höhenzügen rund um die Kellerei stehen Windräder, die erneuerbare Energie in die Region bringen. Im Keller verantwortet der aus Sambuca stammende Önologe Giuseppe Verde — ausgebildet im Piemont, im Barolo- und Barbaresco-Gebiet — die vinologische Linie; er arbeitet eng mit Filippo Baccalaro zusammen. Diese Kombination aus lokaler Verwurzelung und technischem Anspruch zieht sich durch den gesamten Betrieb: von der Lagenauswahl über die Handlese bis hin zur Klassifizierung der besten Parzellen für die jeweiligen Weinlinien.
Autochthone Rebsorten im Mittelpunkt: Was dich bei Cellaro im Glas erwartet
Das Herzstück des Sortiments bilden die einheimischen Sorten Siziliens: Nero d'Avola und Nerello Mascalese bei den Roten, Grillo und Catarratto bei den Weißen. Der Due Lune — eine Cuvée aus Nerello Mascalese und Nero d'Avola — steht für das obere Segment der Palette und verbindet die dunkle Frucht des Nero d'Avola mit der lebendigen Säure und dem Beerenaroma des Nerello. Der Micina vinifiziert Nerello Mascalese sortenrein als Terre Siciliane IGP: ein zugänglicher, ausgewogener Rotwein, der zeigt, wie viel Eleganz in dieser am Ätna heimischen Rebsorte auch in der Westküsteninterpretation steckt. Daneben produziert Cellaro mit der Lumà-Linie Weiß- und Rotweine aus Grillo, Chardonnay, Nero d'Avola und Syrah, die in Eichenfässern ausgebaut werden. Das Spektrum reicht von frischen Alltagsweinen bis zu prämierungswürdigen Cru-Abfüllungen — alle unter dem DOC- oder IGP-Siegel. Wer sizilianischen Weinbau mit echtem regionalem Bezug sucht, findet bei Cellaro eine klare Antwort: wenig internationale Verbiegerei, viel Insel.