Von der Osteria an der Piave zum Prosecco-Pionier
Die Geschichte von Canella beginnt 1947 in der Osteria Forte in San Donà di Piave, einer kleinen Gaststätte, die Giovanna Canella führte. Ihr Sohn Luciano wurde beauftragt, den Gästen Wein zu besorgen – und weil die Auswahl damals dünn war, füllte er gebrauchte Sprudelflaschen kurzerhand mit selbst aufgesprittem, leicht gesüßtem Wein. Die leichten, prickelnden Weine fanden sofort Anklang, zunächst in der Osteria der Mutter, bald in Bars und Restaurants der gesamten Lagunenregion. 1952 reichte die handwerkliche Produktion nicht mehr aus: Luciano baute die erste eigene Cantina in San Donà di Piave. In den 1960er-Jahren erkannte er früher als die meisten das Potenzial des Prosecco – damals kaum bekannt gegenüber schweren Rot- und Weißweinen – und schuf das bis heute ikonische Firmenlogo, in dem das „C" des Familiennamens zu einem Kellner mit Tablett wird. 1994 gewann der Prosecco Canella die Gran Medaglia d'Oro beim Concorso Enologico des Vinitaly. Seit 2021 trägt die Marke den Titel „Marchio storico di interesse nazionale" – ein staatlich anerkanntes historisches Markenzeichen Italiens.
Eigener Pfirsichhain, keine Zusatzstoffe, patentiertes Verfahren
Wer bei Canella hinter die Kulissen schaut, versteht, warum der Bellini kein industriell zusammengemischtes Getränk ist. Luciano Canella entschied sich, für eine möglichst originalgetreue Rezeptur einen eigenen Pfirsichhain direkt neben der Cantina in San Donà di Piave anzulegen. Dort wächst auf rund vier Hektar die Sorte Maria Bianca – die klassische venezianische Weißpfirsichsorte – und liefert heute rund 40 Prozent des Fruchtanteils für den Bellini. Die Ernte ist Handarbeit und erfolgt nur bei optimaler Reife, um maximale Zuckerkonzentration und Aroma zu sichern. Canella arbeitet ohne künstliche Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe und ist IFS-zertifiziert. Für die Aufschäumung nutzt das Haus ein eigens patentiertes Naturschaumverfahren, das auf erzwungene Karbonisierung verzichtet. Den Prosecco-Anteil bezieht Canella aus ausgewählten Lagen der Marca Trevigiana sowie den Hügeln von Conegliano und Valdobbiadene. Heute führen Lucianos Kinder Alessandra, Lorenzo, Nicoletta und Monica das Unternehmen; mit Tommaso Canella arbeitet bereits die dritte Generation aktiv im Betrieb mit.
Prosecco DOC und die Bellini-Familie: der venezianische Aperitivo in der Flasche
Das Kernsortiment von Canella dreht sich um zwei Achsen: den Prosecco und die fruchtbasierten Aperitivi. Der Canella Prosecco Conegliano DOC Millesimato Spumante reift nach der Charmat-Methode, zeigt strohgelbe Farbe mit feiner, anhaltender Perlage und ein charakteristisch fruchtiges Bouquet. Ab 1988 brachte Canella als einer der ersten Produzenten überhaupt einen abgefüllten Bellini auf den Markt: zwei Teile Prosecco Brut, ein Teil Saft und Fruchtfleisch der weißen Maria-Bianca-Pfirsiche, verfeinert mit wenigen Tropfen Wildhimbeere. Seit 2001 trägt die Flasche offiziell das Markenzeichen der Stadt Venedig. Ab dem Jahr 2000 folgten weitere Varianten der Aperitivo-Linie: die Mimosa mit Blutorange, der Rossini mit Erdbeeren aus dem süditalienischen Konsortium Candonga und der Puccini mit Mandarinen aus dem sizilianischen Konsortium Ciaculli. Wer den Aperitivo alkoholfrei bevorzugt, findet mit dem Bellini Zero eine Version ohne Prosecco-Anteil. Alle Produkte stehen für denselben Anspruch: Frucht und Schaumwein so zusammenzubringen, dass kein Zusatz nötig ist – nur die Rohware selbst.