Von der Hausbrennerei zur meistprämiierten Destillerie Italiens
Die Geschichte der Brennerei Roner beginnt 1946 in Tramin an der Weinstraße — auf Italienisch Termeno sulla Strada del Vino — mitten in jenem Südtiroler Landstrich, der als Heimat des Gewürztraminers gilt und nach Norden hin an den Kalterer See grenzt. Gottfried Roner stellte damals einen ersten Brennkolben im elterlichen Haus auf und destillierte Grappa nach alpiner Bäuerlichkeit: aus den Trestern vollreifer, gesunder Trauben der umliegenden Weinberge. Früh verband er die Grappaerzeugung mit der Mazeration von Wurzeln und Beeren aus den umgebenden Wäldern — Enzian, Kranewit und Heidelbeere wurden zu Hausklassikern, die bis heute produziert werden. In den Mittsiebzigerjahren stiegen die Söhne Andreas und Günther ins Unternehmen ein: Andreas als Geschäftsführer, Günther als Brennmeister. 1965, dem wachsenden Absatz folgend, zog die Destillerie an ihren heutigen Standort in der Via J. von Zallinger um. Heute leitet Karin Roner das Unternehmen als Chefin der dritten Generation — 2010 wurde sie beim Internationalen Spirituosen Wettbewerb zur Destillateurin des Jahres gekürt.
Rohstoff, Handwerk und lückenlose Kontrolle vom Feld bis zur Flasche
Das Fundament von Roners Arbeit ist die konsequente Kontrolle der Rohstoffe. Trauben, Äpfel und Birnen stammen teils aus dem eigenen Anbau der Familie, teils von langjährigen Partnerbetrieben in und um Südtirol — persönlich bekannte Bauernfamilien, deren Obst- und Weinqualität die Brennerei direkt begleitet. Seit 1999 gehört mit dem Weingut Ritterhof an der Weinstraße auch eine eigene Kellerei zur Unternehmensgruppe, die den direkten Zugriff auf typisch südtiroler Rebsorten für die Grappa-Destillation sichert. Die Destillation selbst erfolgt in traditionellen Kupferbrennblasen; schonende, langsame Verfahren erhalten die sortentypischen Aromen der Trester und Früchte. Roner war die erste Brennerei Italiens, die das ISO-9001-Zertifikat erwarb — ein eigenes Labor begleitet jeden Produktionsschritt von der Rohstoffauswahl bis zur Abfüllung. Nachhaltigkeit ist dabei kein Marketingbegriff: Die Destillerie setzt auf energieeffiziente Prozesse und regionalen Rohstoffkreislauf.
Grappa, Obstbrand, Likör — ein Sortiment, das Südtirol in Flaschen fasst
Das Kerngeschäft bleibt die Grappa-Destillation aus den aromatisch vielschichtigen Trestern südtiroler Rebsorten: Gewürztraminer, Lagrein, Schiava, Chardonnay — sortenrein oder als Cuvée, jung oder im Eichenfass gereift. Der Alpler steht für die geradlinige alpine Obstbrand-Tradition: klare, fruchtbetonte Destillate aus dem Besten, was Südtirols Höhenlagen an Äpfeln, Birnen und Steinobst hervorbringen. Der Marillengeist arbeitet mit der intensiven, floralfrischen Aromatik reifer Aprikosen — ein Destillat, das den Sommer der Region einfängt. Daneben steht der Obstler als handwerklicher Mehrsorten-Brand und der Bombardino als cremiger Après-Ski-Likör auf Ei-Rum-Basis, der in den Dolomiten-Hütten seit Jahrzehnten zum Standard gehört. Neuere Entwicklungen wie der Z44 Distilled Dry Gin mit alpinen Botanicals oder der TER Lignum, ein Südtiroler Whisky in Kooperation mit der Brauerei Forst, zeigen, dass Roner Traditionshandwerk und Experimentierfreude nicht als Widerspruch begreift. Wer die Brennerei in Termeno besucht, findet neben dem Verkaufsraum auch einen Sensoriktunnel und regelmäßige Führungen mit Verkostung — ein guter Einstieg in eine Destillationsphilosophie, die seit 1946 dieselbe geblieben ist: Südtirol so präzise wie möglich in Glas bringen.