Von Vega Sicilia nach Toro: Ein Familienproject am wilden Duero
Die Geschichte von Bodegas Pintia beginnt mit einer Entscheidung, die für die gesamte DO Toro folgenreich werden sollte. Mitte der 1990er-Jahre, nachdem die Familie Álvarez mit Vega Sicilia und Alión in der Ribera del Duero bereits zwei Maßstäbe gesetzt hatte, suchte David Álvarez gemeinsam mit seinem Sohn Pablo nach einem neuen Terroir. Sie folgten dem Duero flussabwärts — rund hundert Kilometer westlich, in Richtung Portugal — und stießen auf Toro: damals eine weitgehend unbekannte, von der internationalen Weinwelt übersehene Region. 1997 begannen die ersten Weinbergskäufe rund um das Dorf San Román de Hornija. Toro war zu diesem Zeitpunkt keine Entdeckung im modischen Sinne, sondern eine Wette auf ein Terroir, das die Familie überzeugt hatte — mit alten, zum Teil ungepfropften Reben, Kieselsteinflächen aus alten Flussablagerungen und einer Extremlage auf rund 700 Metern Höhe. 2001 erschien der erste Jahrgang unter dem Namen Pintia.
Kieselstein-Terroir, organischer Anbau und hundert Versuche im Keller
Die Weinberge von Pintia liegen auf alluvialen Terrassen, die der Duero über Jahrhunderte aufgeschichtet hat. Zwei Hauptparzellen prägen den Betrieb: Garabitas mit tiefen Böden und reichlich Kies im Untergrund, und Los Hoyos, dessen felsige Oberfläche für früheres Ausreifen der Trauben sorgt. Das kontinentale Klima ist kompromisslos — bitterkalte Winter, heiße, trockene Sommer mit einem Jahresniederschlag von nur 350 bis 400 mm. Die Vineyards werden, wie alle Lagen des Tempos-Vega-Sicilia-Verbunds, organisch bewirtschaftet; Herbizide und synthetische Dünger haben keinen Platz. Da die Region Toro von der Reblaus verschont blieb, sind viele der alten Stöcke bis heute ungepfropft — ein Glücksfall, der Reben von außergewöhnlicher Tiefe und Eigenständigkeit hinterlassen hat.
Im Keller zeigt Pintia dieselbe Gründlichkeit. Bevor der erste Wein in den Handel kam, testete das Team in vier Versuchsjahrgängen nahezu hundert Vinifikations- und Reifevarianten — verschiedene Reblagen, Holztypen, Maischestands- und Fasszeiten, Malo-Fermentation im Tank oder im Fass. Die Ernte erfolgt ausschließlich von Hand, die Trauben kommen in 12-kg-Kisten, werden nach einer zwölfstündigen Kältephase doppelt verlesen und anschließend kalt mazeriert. Die Fassreifung dauert je nach Jahrgang zwölf bis fünfzehn Monate — überwiegend in französischer und amerikanischer Eiche —, gefolgt von mindestens zwölf Monaten Flaschenlager. 2018 wurde die Bodega umfassend modernisiert, um mit kleineren Tanks, Steinamphoren und eiförmigen Granitbehältern noch differenzierter arbeiten zu können.
Ein einziger Wein, ein einziger Anspruch: Kraft mit Präzision
Pintia produziert genau einen Wein — das Prinzip, das die Familie bereits mit Alión etabliert hatte. 100 % Tinta de Toro, der lokale Klon des Tempranillo mit dickschaligen Beeren und ausgeprägtem Tanningerüst. Die Herausforderung des Terroirs liegt offen auf der Hand: Toro ist wärmer als die Ribera del Duero, die Trauben reifen schneller und erreichen höhere Zuckergrade. Das Ziel war von Beginn an, diese Kraft nicht auszustellen, sondern zu zähmen — die Frucht zu bewahren, ohne in Überreife oder Lakritzdominanz zu fallen, und dennoch die unverwechselbare Dichte des Plateaus spürbar zu lassen. Im Glas zeigt sich das als tiefes Rubinviolett mit Aromen von schwarzer Kirsche, Brombeere und würziger Eiche, einem mittelschweren bis vollmundigen Körper und einem langen, strukturierten Abgang. Pintia ist ausschließlich als Einzellagen-Cuvée erhältlich — in der Standardflasche (0,375 l) und als Magnum (1,5 l), die für verlangsamte Reifung und besondere Anlässe konzipiert ist.