Fünf Jahrhunderte Weingeschichte auf einem Plateau bei Montalcino
Argiano gehört zu den ältesten Weingütern der Region: Erste urkundliche Erwähnung 1580, als die Sienese Adelsfamilie Pecci die Villa Bellaria nach Plänen des Renaissancearchitekten Baldassarre Peruzzi errichten ließ. Das dazugehörige Kellergebäude entstand in denselben Jahren — und dient bis heute als Produktionsstätte. 1967 war Argiano eines der Gründungsmitglieder des Konsortiums, das die Denominazione Brunello di Montalcino rechtlich schuf und damit die Geschichte einer ganzen Region neu schrieb. Seit 2013 gehört das Gut dem brasilianischen Unternehmer André Esteves, der gemeinsam mit Kellermeister und Geschäftsführer Bernardino Sani eine umfassende Erneuerung einleitete — in Weinberg, Keller und Gebäude, ohne mit der langen Geschichte zu brechen.
Bodenkunde statt Rezeptur: der Weg zu organischer Präzision
Bernardino Sani verfolgt einen klar definierten Ansatz: Rückkehr zur klassischen Eleganz des Brunello, wie er in den 1970er-Jahren produziert wurde — mehr Säurestruktur, mehr Tiefe, weniger Gewicht. Dafür wurde die Bepflanzungsdichte reduziert, die Weinberge wurden auf ökologischen Landbau umgestellt. Seit 2019 ist Argiano das erste plastikfreie Weingut in Montalcino und zugleich biologisch zertifiziert. Die Grundlage dieser Arbeit ist eine detaillierte Kartierung der Böden: Im nördlichen Teil des Guts dominieren ozeanische Mergelböden mit 45 % Meereston und einem alkalischen pH-Wert von 8,5 — Bedingungen, die außerordentlich mineralische Sangiovese-Trauben hervorbringen. Das namensgebende Herzstück ist die Vigna del Suolo, eine Einzellage mit Reben aus dem Jahr 1965.
Im Keller setzt Sani auf minimale Eingriffe: Spontangärung mit natürlichen Hefen, zurückhaltender Holzeinsatz, wenig Filtration. Jedes Weinbergsparzell wird separat vinifiziert, um die Herkunft klar lesbar zu halten.
Vom Brunello bis zum Solengo: Sangiovese in zwei Welten
Das Sortiment ist klar um Sangiovese aufgebaut. Der Brunello di Montalcino — 100 % Sangiovese Grosso — trägt Aromen von Sauerkirsche, Tabak und Erde, zeigt dichte Tannine und eine lebendige Säure, die langes Reifepotenzial garantiert. Der Rosso di Montalcino aus denselben Lagen bietet früher Zugang zu diesem Stil: zugänglicher im Abgang, aber mit derselben mineralischen Präzision. Daneben steht der Solengo, seit 1995 produziert und einer der frühen Super Toscaner überhaupt: eine Bordeaux-nahe Assemblage mit Syrah-Anteil, die mit dunklen Früchten, Zedernholz und Schmelz eine andere Facette des Guts zeigt. Der NC Toscana IGT rundet das Angebot mit einer zugänglicheren, fruchtigeren Linie ab. Trinktemperatur für alle Rotweine: 16–18 °C. Passende Begleiter: Bistecca alla Fiorentina, geschmorte Wildschweinkeule, gereifter Pecorino di Pienza oder Tartufo nero.