Seit 1723 an der Nahe – und seit 1997 neu erfunden
Das Weingut Tesch in Langenlonsheim gehört zu den ältesten Familienbetrieben an der Nahe: Seit 1723 ist der Besitz nachweislich in Familienhand, durch zehn Generationen weitergegeben, zweimal über die weibliche Linie. Die Familie Tesch selbst trat 1905 in die Geschichte des Hofes ein, als Johann Tesch einheiratete. Den entscheidenden Bruch mit der Vergangenheit vollzog Dr. Martin Tesch, als er 1997 im Alter von 29 Jahren als Biologe – nicht als klassischer Winzer – die Leitung übernahm. Sein Vater Hartmut hatte das ursprünglich landwirtschaftlich weitverzweigte Gut schrittweise auf Weinbau konzentriert; Martin Tesch radikalisierte diesen Kurs. Er reduzierte die Rebfläche, strich Sorten und Qualitätsstufen und setzte das Sortiment auf wenige, klar definierte Weine zurück. Heute führen er und sein Sohn Johannes das Weingut gemeinsam – zehnte und elfte Generation, mit einer Haltung, die weiter reicht als Familienchronik.
Handlese, alte Reben, kein Schnickschnack im Keller
Die rund 21 Hektar Rebfläche liegen in Langenlonsheim und den Nachbargemeinden Laubenheim und Dorsheim. Die geologische Vielfalt der Nahe – Kieselstein, Löss, Lehm, roter Ton, Muschelkalk, eisenerzdurchzogener Lehm, verwittertes Vulkangestein – spiegelt sich direkt in den Einzellagen wider: Der Karthäuser steht für kühle Mineralität, der St. Remigiusberg für kräuterigen, leicht rauchigen Ausdruck auf eisenerzdurchzogenem Lehmboden, der Löhrer Berg gilt als eine der ältesten Rieslinglagen der Nahe überhaupt. Auf all diesen Flächen wachsen Rebstöcke, die zu einem großen Teil mehr als fünfzig Jahre alt sind; ihre Wurzeln greifen tief, die Erträge bleiben gering. Die Trauben werden von Hand gelesen. Im Keller gilt das Gleiche wie im Weinberg: so wenig Eingriff wie möglich. Keine Anreicherung, vollständige Vergärung, neutrale Hefen, um das Terroir ohne Umweg abzubilden. Umweltschonender Weinbau ohne Herbizide und Insektizide ist für Martin Tesch keine Marketingbotschaft, sondern handwerkliche Selbstverständlichkeit. Alle Weine tragen Drehverschluss – eine Entscheidung, die Tesch früh und konsequent traf, als das in Deutschland noch Stirnrunzeln provozierte.
Riesling als Kernaussage – und zwei Konzepte, die Kultstatus haben
Das Sortiment ist straff: rund 90 Prozent Riesling, dazu kleine Anteile Weißburgunder und Spätburgunder. Trockener Ausbau ohne Ausnahme. Die Lagenweine – Karthäuser, St. Remigiusberg und weitere – transportieren die jeweilige Geologie direkt ins Glas. Daneben stehen zwei Konzeptweine, die das Weingut weit über die Nahe hinaus bekannt gemacht haben: Der Riesling Unplugged, seit dem Jahrgang 2001 im Sortiment, steht für das genaue Gegenteil von Technisierung und Versüßlichung – knochentrockener, straff-mineralischer Riesling, der nichts versteckt. Der Deep Blue Blanc de Noir ist weißgekeltert aus Spätburgundertrauben und besetzt damit eine eigene Nische zwischen den Lagern. Tesch-Weine finden sich in Spitzenrestaurants und Weinhandlungen in mehr als zwanzig Ländern – und das Corporate Design des Weinguts erhielt als erstes Weingut weltweit den Red Dot Award. Wer mit dem Riesling Unplugged oder einem der 1-Liter-Klassiker einsteigt, bekommt sofort ein Gefühl dafür, was diese Adresse ausmacht: Präzision, klare Frucht, lebendige Säure und ein Abgang, der nach mehr fragt.