Von Bad Kreuznach in die Zukunft: Wie Steffen Montigny vergessene Spitzenlagen zurückholte
Bad Kreuznach war einmal eine der renommiertesten Weinadressen Deutschlands — eine Reputation, die im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit geriet. 2013 griff Steffen Montigny entschlossen ein: Unter dem damaligen Namen SJ Montigny KG, gegründet bereits 2009 in Bretzenheim bei Bad Kreuznach, erwarb er Weinberge des VDP-Gründungsmitglieds Ökonomierat August E. Anheuser und sicherte damit den Fortbestand historischer Lagen, die über ein Jahrhundert kontinuierlich Riesling getragen hatten. Darunter Krötenpfuhl, Kahlenberg, Auf'm Schlossberg, Steinberg (Monopollage) und Narrenkappe — Namen, die in der Weingeschichte der Nahe Gewicht haben. Für dieses neue Kapitel gab sich das Gut einen neuen Namen: In den Zehn Morgen, nach dem alten Feldmaß, das etwa 0,25 Hektar beschreibt — das Stück Land, das ein Bauer an einem Morgen pflügen konnte.
Handwerk nach alter Väter Sitte: naturnaher Weinberg, geduldiger Keller
Alle Trauben stammen ausschließlich aus den eigenen Weinbergen rund um Bad Kreuznach — Zukauf von Trauben oder Most findet nicht statt. Seit 2016 werden die Lagen naturnah bewirtschaftet: Herbizide haben keinen Platz, stattdessen kommen Einsaaten und hochwertiger Kompost zum Einsatz, um das Bodenleben zu fördern und die Reben von innen heraus zu stärken. Ab dem Jahrgang 2022 sind alle Weine des Gutes offiziell öko-zertifiziert. Die Handlese und eine Ganztraubenpressung gehören zum Standard; die Vergärung erfolgt bei den Weißweinen spontan, teils im Edelstahl, teils im Holzfass. Im Keller gilt das Prinzip der Geduld: gefüllt wird erst dann, wenn die Weine in der Verkostung selbst den richtigen Zeitpunkt anzeigen. Kellermeister Stefan Schmidt verantwortet den schonenden Ausbau, Andreas Kretzschmar hält den Draht zu Sommeliers und Händlern — ein kleines, eng verzahntes Team mit klar definierter Aufgabenteilung.
Riesling, Chardonnay, Pinot Noir: drei Rebsorten, ein konsequenter Terroir-Anspruch
Das Gut hat die Sortenwahl bewusst eng gehalten. Riesling wächst seit mehr als hundert Jahren ununterbrochen auf diesen Böden — auf gelbem und rotem Sandstein, auf Kies, Löss und Terrassenschotter. Chardonnay und Pinot Noir wurden als Neupflanzungen ergänzt, weil das Gut sie als die einzigen weiteren Sorten sieht, die das hiesige Terroir ebenbürtig interpretieren können. Die Böden zeichnen sich je nach Lage scharf ab: Krötenpfuhl steht für Terrassenschotter und Sand mit Löss, Auf'm Schlossberg für Sandstein und Kies. Im Glas schlägt sich das in Zitrusaromen mit steiniger, würziger Note nieder, beim Riesling mit dichter Säurestruktur und mineralischem Abgang; der Grauburgunder zeigt sich trocken und griffig mit Sandstein-Mineralik im Nachhall. Ergänzt wird das Sortiment durch einen Blanc de Blancs Brut Nature — ein Sekt, der die Präzision des Gutes auf die Perlage überträgt. 2022 kürte der Vinum Award das Weingut in der Kategorie Ortsweine zum Riesling Champion und zeichnete es mit Gold aus — eine frühe, aber belegte Bestätigung, dass die Rückkehr dieser Lagen in den Fokus keine bloße Nostalgie ist.