Von neun Hektar zur Stimme der Marken
Angela und Ercole Velenosi waren gerade zwanzig Jahre alt, als sie 1984 in Ascoli Piceno ein Weingut aus dem Nichts aufbauten. Neun Hektar Rebfläche, zwei Weine, wenig Kapital — und der feste Wille, der Önologie ihrer Region neues Gewicht zu geben. Wie viele Gründungen dieser Zeit nutzten sie ein staatliches Förderprogramm, das junge Menschen aus den Städten zurück in die Landwirtschaft locken sollte. Was daraus wurde, übertraf jeden damaligen Plan. Im Jahr 2005 trat Paolo Garbini als Gesellschafter ein, die Velenosi Srl war geboren. Angela Velenosi übernahm 2014 den Vorsitz des Consorzio di Tutela Vini Piceni und vertrat die Marken 2015 auf der Weltausstellung in Mailand — zwei Etappen, die zeigen, wie weit das Weingut über seine eigenen Mauern hinausgwirkt hat.
Tonboden, Adriawind und die Geduld des Handwerks
Das Herzstück des Betriebs liegt in Ascoli Piceno, rund 20 Kilometer von der Adria entfernt, auf 150 bis 200 Metern Höhe. Die Weinberge ziehen sich über mehrere Standorte: Castorano, Monsampolo del Tronto und Castel di Lama im Piceno, dazu Lagen bei San Marcello in der Provinz Ancona nahe den Castelli di Jesi sowie ein Weinberg im abruzzesischen Ancarano. Was diese Standorte verbindet, sind die tonreichen, kalkhaltigen Böden im Tal des Flusses Tronto sowie ein Klima, das tagsüber mediterrane Wärme mit nächtlicher Abkühlung durch Apennin- und Meereswinde kombiniert. Diese Temperaturunterschiede verlangsamen die Reife und erhalten Frische und Aromenpräzision.
Zur Kellerarbeit bekennt sich Velenosi offen zu einem Nebeneinander aus überliefertem Handwerk und moderner Technik. Die eigene Philosophie beschreibt das schlicht: nicht kurze, nicht lange, sondern natürliche Zeiten — so lange, wie ein sauber gemachter Wein braucht. Rund 2,5 Millionen Flaschen verlassen das Weingut pro Jahr und gehen in mehr als 50 Länder. Dass dabei Qualität und Volumen kein Widerspruch sind, gilt als der eigentliche Beweis des Konzepts.
Heimische Rebsorten, klare Handschrift
Velenosi setzt konsequent auf die Leitrebsorten der Marken: Montepulciano und Sangiovese für die roten Appellationen des Piceno, Pecorino und Passerina für die weißen, dazu die seltene Lacrima di Morro d'Alba aus dem Norden der Region. Das Sortiment im Shop spiegelt diese Bandbreite: Der Brecciarolo Rosso Piceno Superiore DOC und der Roggio del Filare stehen für den strukturierten, reifefähigen Rotweintyp des Hauses — Montepulciano-dominierte Cuvées mit Tiefe und Länge. Mit dem Ludi Offida Rosso DOCG bewegt sich Velenosi in der Königsklasse der roten Piceno-Appellationen. Auf der weißen Seite zeigt der Rêve Pecorino Offida DOCG, was die wiederbelebte Sorte Pecorino in den Hügeln um Offida leisten kann. Die Querci Antica Lacrima di Morro d'Alba DOC schließlich ist ein Beleg dafür, dass Velenosi auch für die Entdeckung wenig bekannter Rebsorten steht — die Lacrima gilt wegen ihres floralen, fast violettartigen Aromaprofils als eine der ungewöhnlichsten Sorten Mittelitaliens.