Von 1404 bis heute: Eine Familie, ein Terroir, eine Rebsorte
Die Mauern der ältesten Gebäude auf Tenuta Roveglia stehen seit 1404 – damals erwarb die Familie Roveglio Ländereien und Gehöfte vom Kloster San Salvatore in Brescia. Weinbau in heutigem Sinne begann hier aber erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als der Schweizer Federico Zweifel nach Lombardei emigrierte, sich in die Seenlandschaft des Gardasees verliebte und begann, erste Rebflächen in der Lugana aufzukaufen. Seine Leidenschaft für die autochthone Turbiana legte den Grundstein. In den 1980er-Jahren übernahm Giovanni Felice Azzone – Ordinarius für Allgemeine Pathologie an der Universität Padua und Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei – die Betriebsführung und brachte eine wissenschaftlich präzise Haltung in Weinberg und Keller. Heute führt die vierte Generation, die Schwestern Sara, Vanessa und Babettli Azzone, das Weingut weiter – mit Blick nach vorne, ohne den langen Weg dorthin zu vergessen.
Ton, Kalk und konsequente Verantwortung im Weinberg
Pozzolengo liegt an einem geografischen Knotenpunkt, wo Brescia, Verona und Mantua aufeinandertreffen und Lombardei und Venetien sich die Grenze teilen. Das Fundament der Weine ist der Boden: tonig-kalkhaltig, reich an Mineralsalzen, ein Sediment aus urzeitlichen Ablagerungen. Dazu kommt das Mikroklima, das der Gardasee reguliert – die thermische Masse des Wassers dämpft Extreme, die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht bewahren die aromatische Spannung in den Trauben. Auf mehr als 85 Hektar Rebfläche, davon der Großteil mit Turbiana bestockt, arbeitet Roveglia mit dauerhafter Begrünung der Fahrgassen, gezielter Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und aktiver Pflege von Naturzonen zur Förderung der Biodiversität. Für diese ganzheitliche Herangehensweise trägt das Weingut die Equalitas-Zertifizierung als nachhaltige Organisation – ein Standard, der Kohlenstoff-Fußabdruck und Wassermanagement einschließt. Im Keller und in der Abfüllung gilt dasselbe Prinzip: Energie- und Wasserverbrauch reduzieren, Prozesse optimieren, FSC-zertifizierte Verpackungen einsetzen.
Turbiana in allen Spielarten – vom frischen Einstieg bis zur Riserva
Das Sortiment dreht sich zu fast 95 Prozent um die Turbiana und die Lugana DOC. Der Limne bildet den Kern: frische Zitrusfrucht, weißer Pfirsich, salzig-mineralischer Abgang – ein Weißwein, der den Charakter des Terroirs direkt und klar wiedergibt. Daneben steht der Vigne di Catullo, die Riserva: ausschließlich von Reben mit über 55 Jahren Alter, handgelesen, und ausgebaut im Edelstahltank ohne Holzeinfluss – ein Entscheid, der Frische und Mineralität bewusst in den Vordergrund stellt und dem Wein dennoch erhebliche Tiefe erlaubt. Einen anderen Ausdruck zeigt der Wighel, ein Spätlesewein aus Turbiana. Das Spektrum der Garda DOC-Weine ergänzt das Portfolio: der Ruvus, ein Cabernet Sauvignon, und der Miti, ein Chiaretto Classico, zeigen, dass Roveglia die Schnittstelle von Lugana und Garda DOC vollständig bespielt – seit 1996, als die Appellation Garda DOC auch internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot Raum gab. Wer den alten Keller besucht, findet dort ein oenologisches Archiv: Jahrgänge, die belegen, dass Turbiana bei entsprechender Vinifikation deutlich mehr Reifepotenzial mitbringt, als ihr oft zugeschrieben wird.