Von den Abruzzen nach Mogoro: wie Atzei entstand
Bevor Valentino Sciotti die Fantini Group zu einer der wichtigsten Weingruppen Süditaliens aufbaute, fuhr er als junger Handelsreisender durch Sardinien — im Auftrag eines Herstellers von Industriefahrzeugen. Was damals als Randgebiet galt, das niemand haben wollte, hinterließ bei ihm einen bleibenden Eindruck: uralte Reben, außergewöhnliche Weinberge, eine Insel voller ungenutztem Potenzial. Jahrzehnte später, nachdem die Fantini Group — hervorgegangen aus dem früheren Haus Farnese, gegründet 1994 — ihre Präsenz in den Abruzzen, Apulien, Kampanien, der Basilikata und der Toskana gefestigt hatte, kehrte Sciotti an diesen Ort zurück. In Mogoro, einem Dorf in der Provinz Oristano nahe Sanluri, fand er eine leidenschaftliche lokale Weingenossenschaft, der ein starker önologischer und kaufmännischer Partner fehlte. Aus dieser Begegnung entstand Tenuta Atzei — ein Name, der im Sardischen so viel bedeutet wie „Kern" oder „das Wesentliche der Sache".
Das Projekt verwandelte die frühere Genossenschaftsstruktur in eine gezielte Auslese der besten Einzellagen rund um Mogoro. Die önologische Verantwortung liegt bei Dennis Verdecchia, dem Chefönologen der Fantini Group, unterstützt von Daniele Manca, einem jungen sardischen Winzer mit Auslandserfahrung, sowie der Beratung von Alberto Antonini. Die eigentlichen Protagonisten im Weinberg aber, so Sciotti selbst, sind die einheimischen Landwirte, die ihre Parzellen seit Generationen pflegen.
Obsidian unter den Wurzeln: Weinberg und Keller in Mogoro
Die Weinberge von Tenuta Atzei liegen am Fuß des Monte Arci, eines erloschenen Vulkans, der mit 812 Metern über der Ebene des Campidano aufragt. Das Massiv ist seit der Jungsteinzeit für seine Obsidianvorkommen bekannt — und eben dieser vulkanische Ursprung prägt die Böden bis heute: Kalksteinböden durchsetzt mit Obsidiansteinen, reich an Phosphor, Kalium und Magnesium. Die benachbarten Giara-Berge schaffen ein geschütztes Mikroklima, das selbst in heißen Sommern für Temperaturausgleich sorgt. Das Klima der Region Oristano ist ansonsten mediterran: trockene, heiße Sommer, feuchte, kühle Winter.
Im Weinberg arbeiten manche Lagen noch heute mit Pferdepflug — nicht als folkloristische Geste, sondern weil die bodenschonende Bearbeitung in den alten Reben schlicht das beste Ergebnis liefert. Die Etiketten der Flaschen tragen das Motiv traditioneller sardischer Tapisserien, gefertigt von einheimischen Handwerkern — ein bewusster Verweis auf das kulturelle Erbe der Region. Im Keller setzt das Team auf kontrollierte Temperaturführung bei der Vergärung und Reifung in Edelstahltanks mit regelmäßiger Bâtonnage, um Frucht und Terroir-Charakter sauber herauszuarbeiten.
Cannonau, Monica, Vermentino: das Sortiment der Saragat-Linie
Das Herz des Sortiments bildet die Saragat-Linie, benannt nach einem lokalen Weinberg, dessen Name dem Volksmund zufolge mit Brassenfischern der Region verbunden ist. Drei Einzelrebsorten-Weine stehen nebeneinander: Cannonau, Monica und Vermentino — ausschließlich aus Trauben rund um Mogoro. Der Saragat Cannonau di Sardegna DOC vergärt bei 26–28 °C mit 15 Tagen Schalenkontakt und reift rund sechs Monate auf der Hefe in Stahltanks; das Ergebnis ist ein Rotwein mit dichter Textur, Aromen von Sauerkirsche, Brombeere und violetten Blüten, dazu Balsam und Kakao im Abgang. Der Monica di Sardegna DOC zeigt die für diese autochthone Sorte typische rote Fruchtigkeit mit mediterranen Kräuternoten. Beim Saragat Vermentino profitiert die Cuvée von Lagen unterschiedlicher Höhe: küstennahe Parzellen bringen Salzigkeit und Frische, höher gelegene mehr Reife und Struktur. Das Flaggschiff Aru verbindet Monica, Cannonau und Bovale zu einer Cuvée, die das gesamte Rebsortenerbe der Insel in einem Wein bündelt. Allen Weinen gemeinsam ist der mineralische Fingerabdruck des Monte Arci — ein Charakter, den keine Rebsorte allein erzeugt, sondern den dieser Boden und dieses Klima dem Wein mitgeben.