Seit 1692: Vom englischen Kaufmann zur unabhängigen Portweingröße
Die Geschichte von Taylor's beginnt im Jahr 1692, als der englische Kaufmann Job Bearsley in Portugal ankam und den Grundstein für eines der ältesten und bis heute unabhängig gebliebenen Portweinhandlungshäuser legte. Anders als viele seiner Mitstreiter blieb das Haus stets in Familienhand — nie verkauft, nie übernommen. Im frühen 18. Jahrhundert war es Peter Bearsley, der als einer der ersten britischen Kaufleute ins Oberste Douro-Tal reiste, um dort Weine direkt einzukaufen. Sein Sohn Bartholomew erwarb 1744 ein erstes Weingut im Douro und legte damit den Grundstein für Taylors eigene Gutsstruktur. Den heutigen Namen prägte die Partnerschaft mit John Fladgate, der 1838 eintrat und die Firma als Taylor, Fladgate & Yeatman formte. Heute leiten Nachfahren der Gründerfamilien das Unternehmen in der achten Generation — eine Kontinuität, die im Portweinhandel ohne Parallele ist.
Vargellas, Fuß und Schiefer: Handwerk im Herzen des Douro
Taylors Weingüter liegen im Douro-Tal, das 1756 als erste klassische Weinregion der Welt gesetzlich abgegrenzt wurde und dessen Weinberge schon im Jahr darauf klassifiziert wurden — fast ein Jahrhundert vor denen von Bordeaux. Das Herzstück des Taylors-Besitzes ist die Quinta de Vargellas, ein amphitheatralisch angelegtes Steillagenweingut im wilden Osten des Tals, das Taylor's seit 1893 besitzt. Rund 60 % der Reben dort sind über 75 Jahre alt — der höchste Anteil alter Stöcke jeder Quinta im Douro. Dazu kommen die Quinta de Terra Feita und die Quinta do Junco als weitere Quellen für die Cuvées. Die Weinbereitung folgt traditionellen Prinzipien: Alle Trauben werden in Granit-Lagares per Fußtreten verarbeitet — eine arbeitsintensive Methode, an der Taylor's festhält, weil sie die Extraktion behutsamer gestaltet als mechanische Verfahren. Die Vergärung wird durch Zugabe von Branntwein gestoppt, bevor der Restzucker vollständig vergoren ist; es folgt eine zweijährige Reifung im Holzfass, bevor die Weine ungefiltert abgefüllt werden. Im Weinberg verzichtet Taylor's auf Herbizide, fördert natürlichen Pflanzenwuchs zur Biodiversität und legt neue Terrassen so an, dass Bodenerosion verhindert wird — ein Ansatz, der mit dem BES Biodiversity Prize ausgezeichnet wurde.
Kraft, Struktur und Langlebigkeit: das Stilprofil im Überblick
Taylor's ist ausschließlich dem Portwein gewidmet und konzentriert sich dabei auf die anspruchsvollsten Stile. Die Vintage Ports des Hauses gelten für ihre kraftvolle, tanninbetonte Struktur und ihr Potenzial, über Jahrzehnte in der Flasche zu reifen. Vargellas prägt die Cuvées mit seiner charakteristischen Duftnote, komplexem Fruchtspektrum und seidig eingebundenen Tanninen; in nicht deklarierten Jahren erscheint die Quinta als eigenständiger Single-Quinta-Vintage. Die gereiften Tawnys — vom 10 Years Old bis zum 20 Years Old — zeigen die oxydative Seite des Hauses: Nüsse, getrocknete Früchte, ein langer, samtiger Abgang. Der Chip Dry White Port steht für Taylors Pioniergeist im Bereich trockener Weißportweine. Der Late Bottled Vintage schließlich bietet den Zugang zur klassischen Ruby-Welt des Hauses: fruchtbetont, zugänglich, mit der für Taylor's typischen Substanz im Hintergrund. Wer einmal eine Flasche aus dem Vargellas-Sortiment oder einen der gereiften Tawnys öffnet, bekommt ein Gefühl dafür, warum dieses Haus seit über drei Jahrhunderten den Maßstab im Douro setzt.