Von der Genossenschaft zum Familienbetrieb: Talamonti seit 2001
Loreto Aprutino zählt zu den ältesten Weinorten der Abruzzen. Archäologische Funde belegen, dass hier seit Jahrtausenden Wein und Olivenöl produziert wird — von heute rund 7.500 Einwohnern sind über 1.400 als Produzenten tätig. In dieses Umfeld trat 2001 die Familie Di Tonno, als aus einem zunächst größeren Unternehmensprojekt ein engagierter Familienkreis übrig blieb, der die vorhandenen Rebflächen konsequent weiterentwickelte. Die Weinberge waren bereits bestockt; was fehlte, war ein klares Konzept: Weine keltern, die das Terroir der Abruzzen erkennbar widerspiegeln — handwerklich präzise und stilistisch eigenständig.
Heute bewirtschaftet Talamonti rund 45 Hektar rund um Loreto Aprutino in der Provinz Pescara. Das Gut liegt auf etwa 300 Metern über dem Meeresspiegel, die Lagen überwiegend in Südost-Exposition entlang des Tavo-Tals — eine der dichtesten Weinbaulagen der gesamten Region.
Kalkhaltiger Lehm, Adriawind und erneuerbare Energie
Die Böden bestehen aus kalkhaltigem Lehm mit vulkanischen Schichtungen — eine Kombination, die den Trauben Struktur und mineralische Frische mitgibt. Das Mikroklima wird durch zwei Gegenpole geprägt: die Adria im Osten mildert die Temperaturen und sorgt für regelmäßige Luftzirkulation, während Gran Sasso und Apennin im Westen heiße Landmassen kühlen. Dieses natürliche Gleichgewicht verlängert die Reifephase der Trauben und erhält die Säure bis zur Lese.
Im Weinberg arbeitet Talamonti nach den Richtlinien des SQNPI (Sistema di Qualità Nazionale per la Produzione Integrata), einem staatlich anerkannten Standard für integrierten Anbau mit klaren Vorgaben für Pflanzenschutz und Bodenpflege. Seit 2015 bezieht das Weingut ausschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen. Im Keller werden die Partien sortiert und getrennt vergoren; für die Rotweinreife setzt Talamonti auf einen bewusst breiten Mix aus kleinen und großen Fässern in französischer, amerikanischer, österreichischer und osteuropäischer Eiche — je nach Wein unterschiedlich eingesetzt, um Holz als Werkzeug zu verstehen und nicht als Stilmittel.
Autochthone Rebsorten als Programm — von frischem Montepulciano bis zu kräftigem Pecorino
Das Sortiment dreht sich konsequent um die klassischen Abruzzen-Rebsorten: Montepulciano d'Abruzzo, Trebbiano d'Abruzzo und Pecorino bilden den Kern. Ergänzt wird das Portfolio durch einen kleinen Merlot-Anteil, der ausschließlich in den Spitzenwein Kudos (Colline Pescaresi IGT) einfließt — einer Cuvée aus dem besten Montepulciano-Parzel und Merlot. Das Flaggschiff unter den reinsortigen Rotweinen ist der Tre Saggi, ein 100-prozentiger Montepulciano mit dunkler Frucht, dichter Struktur und langem Abgang. Bei den Weißweinen steht der Trabocchetto Pecorino für die aromatische Stärke einer Rebsorte, die in der Abruzzen lange kaum beachtet wurde: kräuterwürzig, mit lebendiger Säurestruktur und vollem Mundgefühl. Der Moda — das Einstiegswein im Montepulciano d'Abruzzo — zeigt, was diese Rebsorte ohne großes Fassholz und langen Ausbau kann: direkte rote Frucht, weiches Tannin, trinkfreudige Struktur. Empfehlung: 16–18 °C, zu Pasta al ragù, gegrilltem Fleisch oder würzigem Schafskäse aus der Region.