Vom Zisterzienserkeller zum größten Weingut Deutschlands
Kloster Eberbach wurde 1136 von Bernhard von Clairvaux als Zisterzienserniederlassung im Rheingau gegründet. Die Mönche begannen unmittelbar mit dem Weinbau an den Hängen des Taunus — was zunächst der Eigenversorgung diente, entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Weinhandelsbetriebe des Mittelalters. Die Zisterzienser legten dabei Maßstäbe: in Bodenbearbeitung, Rebselektion, Kellerwirtschaft und Lagenerschließung waren sie ihrer Zeit weit voraus. Den Steinberg, die heute bekannteste Einzellage des Hauses, bewirtschaftet Kloster Eberbach nachweislich seit 1236 in Alleinbesitz.
Mit der Säkularisation 1803 endete die Klosterwirtschaft. Das Weingut ging an das Herzogtum Nassau über, ab 1866 führte es der preußische Staat als Königliche Domäne weiter, seit 1945 ist das Land Hessen Eigentümer. Bereits 1806 ließ der Herzog von Nassau erstmals Fasswein versteigern — eine Tradition, die Kloster Eberbach rund hundert Jahre früher einführte als jedes andere deutsche Weingut. Das Haus gehört außerdem zu den Gründungsmitgliedern des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter). 2003 wurde der Betrieb in die Hessische Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach überführt, 2008 die moderne Steinbergkellerei — weitgehend unterirdisch zwischen Hattenheim und dem Kloster gelegen — als zentrale Kellerei eröffnet.
Handlese, Steinbergkeller und der Verzicht auf Pestizide
Die Rebflächen umfassen rund 200 Hektar, davon über 50 Hektar Steillagen, verteilt auf sechs Domänen im Rheingau und an der Hessischen Bergstraße. Riesling belegt mit rund 85 Prozent den Löwenanteil der Anbaufläche, gefolgt von Spätburgunder mit etwa 10 Prozent. Der Anbau verzichtet auf Pestizide und Herbizide; Nachhaltigkeit und Förderung der Biodiversität sind erklärtes Grundprinzip. Im Keller reift der Riesling überwiegend in Edelstahltanks, um die Sortenfrucht und die Säurestruktur zu erhalten; die Spitzenweine lagern in großen Holzfudern (600 bis 2.400 Liter). Spätburgunder wird ausschließlich im Holzfass ausgebaut. Die Temperaturen im Keller werden über ein CO₂-gesteuertes Kühlwassersystem geregelt, um eine gleichmäßige, schonende Gärung sicherzustellen.
Steinberger Riesling, Sekt und die alkoholfreie Linie „Achtsam"
Das Herzstück des Sortiments ist der trockene Riesling — allen voran der Steinberger, der als Aushängeschild des Hauses gilt und mit klarer Säurestruktur, Zitrus- und Steinfruchtaromen sowie einem mineralischen Abgang überzeugt. Die VDP-Großen Lagen — darunter Erbacher Marcobrunn, Rauenthaler Baiken und Rüdesheimer Berg Schlossberg — liefern die Basis für die Großen Gewächse des Hauses. Daneben produziert die Staatsweinkellerei einen Riesling Sekt Brut sowie unter der Linie „Achtsam" einen alkoholfreien Weißwein, der die Nachhaltigkeitsphilosophie des Gutes auch im Glas abbildet. Der Riesling trocken im Literformat macht die Handschrift des Hauses — lebendige Säure, klare Frucht, schiefermineralischer Nachhall — für den Alltag zugänglich.