Seit 1337 am Rhein: vom Ritterstammsitz zur Schloss-Domäne
Weinbau auf dem Gut Reinhartshausen ist seit dem Jahr 1337 urkundlich belegt — und damit gehört das Weingut zu den historisch am längsten dokumentierten Adressen im deutschen Weinbau. Der Standort in Eltville-Erbach am westlichen Rand von Erbach, vom Rheinufer nur durch die Bundesstraße getrennt, reicht auf den mittelalterlichen Stammsitz der Ritter zu Erbach zurück. Im Jahr 1855 erwarb Prinzessin Marianne von Preußen das Anwesen samt der Rheininsel Mariannenaue; bis 1987 blieb der Besitz in der Familie von Preußen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten mit wechselnden Eigentümern übernahm 2013 die Familie Lergenmüller aus Hainfeld in der Pfalz das Gut — Winzer Stefan Lergenmüller gemeinsam mit seinen Mitgesellschaftern. Die Lergenmüllers bringen eine eigene Verwurzelung im deutschen Weinbau mit: Ihr Stammgut in der Pfalz ist seit 1538 in Familienbesitz. Reinhartshausen wird als eigenständiger Betrieb geführt.
Herkunft als Leitprinzip — und konsequent ökologischer Weinbau
Das Credo des Guts lautet: Je enger die Herkunft eines Weines gefasst ist, desto höher seine Qualität. Alle Trauben stammen ausschließlich aus eigenem Anbau — weder Trauben noch Fassweine werden zugekauft. Die rund 80 Hektar Rebfläche, die das Gut zum größten privat geführten Weingut des Rheingaus machen, teilen sich auf zwei grundverschiedene Terroirs auf: die klassischen Festlands-Einzellagen in Erbach und Hattenheim sowie die Rheininsel Mariannenaue. Die Insel entstand vor etwa 10.000 Jahren aus alpinem Sand und Kies auf Kalkfelsgrund; ihr Kleinklima mitten im Rhein unterscheidet sich spürbar vom Festland. Seit 2021 ist das gesamte Weingut bio-zertifiziert — Ausdruck eines respektvollen Umgangs mit Fauna und Flora, der die Familie seit ihrer Übernahme antreibt. Im Weinberg steht Handarbeit im Vordergrund; im Keller wird die Qualität der Trauben nach selektiver Lese mit reduziertem Technikeinsatz, Geduld und Präzision bewahrt.
Zwei Welten im Glas: Riesling-Lagen und Inselweine
Das Sortiment gliedert sich in zwei klar unterschiedliche Herkunftswelten. Auf dem Festland stehen die großen Einzellagen im Mittelpunkt: Marcobrunn, Hattenheimer Nussbrunnen, Hattenheimer Wisselbrunnen, Siegelsberg und Hohenrain, dazu der Erbacher Schlossberg als Monopollage im Alleinbesitz. Riesling ist die dominierende Rebsorte — von zugänglichen Gutsweinen bis zu Großen Gewächsen aus den namhaftesten Lagen des mittleren Rheingaus. Die Weine des Hauses zählen traditionell zu den lagerfähigsten des Rheingaus. Auf der Mariannenaue wachsen auf 24 Hektar Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Roter Riesling — Sorten, die im besonderen Insel-Mikroklima zu eigenständigen Charakterweinen reifen und das Spektrum des Guts weit über den klassischen Rheingau-Riesling hinaus öffnen. Ergänzt wird das Programm durch experimentellere Ansätze, darunter ein Orange Wine, der zeigt, dass das Haus Tradition und Neugier nicht als Widerspruch begreift.