Von der Sake-Brauerei zur Sakurao Brewery and Distillery: hundert Jahre Hiroshima
Die Geschichte beginnt am 8. Oktober 1918 im Küstenstädtchen Sakurao, Hatsukaichi — auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Itsukushima, dem UNESCO-Weltkulturerbe. Gegründet unter dem Namen Chugoku Shurui Jozo, produzierte das Haus in seinen ersten Jahrzehnten Sake, Shochu und Mirin. Bereits 1920 erwarb es eine Whisky-Destillierlizenz — zu einer Zeit, in der das in Japan kaum denkbar war. Der frühe Anlauf zum Single Malt scheiterte in den 1980er-Jahren, als der japanische Whiskymarkt kollabierte; das Unternehmen stellte auf Importware um und blendete zugekaufte Destillate. Diese Pause erwies sich als Denkpause: Mit verschärften japanischen Whisky-Kennzeichnungsgesetzen, die eine Produktion ausschließlich auf japanischem Boden verlangen, entschloss sich das Haus zum Neustart. 2017 eröffnete es die SAKURAO DISTILLERY am historischen Stammsitz, 2021 erfolgte die offizielle Umbenennung in Sakurao Brewery and Distillery Co., Ltd.
Monotsukuri am Seto-Binnenmeer: Handwerk, Wasser und zwei Reifeklimate
Die Philosophie des Hauses lässt sich mit dem japanischen Begriff monotsukuri — handwerkliche Sorgfalt als Dauerprozess — treffend zusammenfassen. Das Brauch- und Mischwasser stammt aus dem Oze-Fluss in der Präfektur Hiroshima. Seit 2023 bezieht die Destillerie ihre Gerste aus der Hiroshima-Anbauregion Sera und unterstreicht damit den konsequent lokalen Ansatz. Die Destillationsanlage vereint Technik aus Ungarn und Deutschland mit japanischer Ingenieurskunst: Ein modifizierter Pot-Still-Schwanenhals hält gezielt mehr Ester im Destillat, ein Hybrid-Still übernimmt den zweiten Brand und erzielt höhere Alkoholausbeuten bei ausgeprägter Fruchtigkeit. Doppelte Destillation sorgt für einen besonders runden Charakter.
Was Sakurao von den meisten Destillerien unterscheidet, ist das duale Reifungskonzept. Die Whiskys der Marke Sakurao lagern in Fässern an der Küste des Seto-Binnenmeers, wo feuchte Meeresluft und milde Temperaturschwankungen den Charakter prägen. Die Togouchi-Linie reift in einem ehemaligen Eisenbahntunnel in den Chugoku-Bergen — kühl, konstant, eigener Rhythmus. Beide Bedingungen entstehen aus demselben Destillat, formen jedoch grundlegend verschiedene Aromawelten.
Küstenwhisky, Bergluft-Fasslager und Gin aus Hiroshima
Zum hundertjährigen Jubiläum 2018 lancierte Sakurao zuerst einen Gin — ausschließlich mit Botanicals aus Hiroshima, darunter handverlesene Wacholderbeeren der Region. Der Sakurao Gin Limited gewann noch im selben Jahr einen Gold Outstanding beim International Wine and Spirit Competition (IWSC) und setzte das Haus international auf die Landkarte, bevor die ersten Whiskys überhaupt abgefüllt waren. 2021 folgten die Single Malts: Sakurao reift in vier Fasstypen — Bourbon-, American-White-Oak-, Sherry- und Mizunara-Fässern aus japanischer Eiche aus Hokkaido. Im Sortiment finden sich neben dem klassischen Single Malt auch Spezialabfüllungen mit besonderen Fassfinishes, darunter ein Sauternes-Cask-Ausbau. Das Sortiment bei uns umfasst den Sakurao Single Malt sowie den Sakurao Sauternes Cask Japanese Single Malt Whisky — beide konsequent japanisch und kompromisslos in Hiroshima verwurzelt.