Von Osaka in die Welt: Wie Shinjiro Torii den japanischen Whisky erfand
1899 eröffnete Shinjiro Torii in Osaka sein erstes Geschäft, Torii Shoten, um westliche Spirituosen nach Japan zu bringen. Was als Importhandel begann, wurde zur Gründungsgeschichte des japanischen Whiskys. Torii war kein Händler, der Vorhandenes weitergab — er war ein Tüftler, der westliche Vorbilder mit japanischem Gaumen und japanischen Rohstoffen neu denken wollte. 1923 brach er am Stadtrand von Kyoto, in Yamazaki, den Grundstein für Japans erste Malt-Whisky-Destillerie. Den Standort wählte er wegen der außergewöhnlichen Wasserqualität und eines Kleinklimas, das an die schottischen Highlands erinnert. Seitdem haben drei Generationen der Familie Torii als Master Blender die Geschicke des Hauses geleitet — von Shinjiro über seinen Sohn Keizo Saji bis zum heutigen Shingo Torii.
2014 entstand durch die Übernahme des amerikanischen Spirituosenkonzerns Beam durch Suntory Holdings für rund 16 Milliarden US-Dollar die globale Dachgesellschaft Beam Suntory — heute bekannt als Suntory Global Spirits. Damit kamen zwei Handwerkstraditionen zusammen: die mehr als 200-jährige Bourbon-Geschichte aus Kentucky und das über 100-jährige japanische Destillat-Handwerk aus Osaka. Das europäische Geschäft wird von Glasgow aus geführt, unter dem Dach von Beam Suntory UK.
Monozukuri, Wa, Omotenashi: Drei Prinzipien, die jede Flasche prägen
Das Selbstverständnis des Hauses Suntory lässt sich auf drei japanische Begriffe verdichten: Wa (Harmonie), Monozukuri (Handwerkskunst) und Omotenashi (Gastfreundschaft). Monozukuri ist dabei mehr als ein Qualitätsanspruch — es ist eine Haltung, die darauf besteht, Systeme und Prozesse kontinuierlich zu verbessern, anstatt Abläufe bloß zu wiederholen. In der Praxis bedeutet das: sorgfältige Auswahl der Zutaten, überlieferte Techniken aus der Sake-Brauerei, die für die Whiskyproduktion neu entwickelt wurden, und die geduldige Wahl der Reifefässer. Wasser ist dabei ein zentrales Element — Suntory zapft an allen drei Destillerie-Standorten außergewöhnlich reines Wasser, das dem charakteristischen weichen Stil der Spirituosen zugrunde liegt. Japans ausgeprägte Jahreszeiten, mit starken Temperaturschwankungen, beschleunigen den Reifeprozess auf natürliche Weise und verleihen den Destillaten eine Tiefe, die industrielle Verfahren nicht erzeugen können.
Auch der Gin aus dem Hause Suntory folgt diesem Prinzip: Roku — das japanische Wort für „sechs" — wird aus sechs japanischen Botanicals destilliert, darunter Sakurablüte, Sakurablatt, Yuzuschale, Sencha-Tee, Gyokuro-Tee und Sanshō-Pfeffer. Jede Zutat wird zum Höhepunkt ihrer jeweiligen Saison geerntet und separat destilliert, bevor die Komponenten zum fertigen Gin verschnitten werden.
Yamazaki, Hibiki, Roku: Ein Sortiment, das japanische Stilistik konsequent ausbuchstabiert
Das Sortiment des Hauses Suntory folgt einer klaren inneren Logik: Tiefe durch Herkunft, Balance durch Handwerk. Der Yamazaki 12 Jahre gilt als Wegbereiter des japanischen Single Malts — 2003 erhielt er als erster japanischer Whisky eine Goldmedaille beim International Spirits Challenge in London, ein Moment, der den Blick der Whisky-Welt dauerhaft nach Japan lenkte. Der Hibiki Japanese Harmony ist ein Blend aus Malt- und Grain-Whiskys mehrerer Jahrgänge, der dem japanischen Harmoniegedanken (Wa) im Glas eine Entsprechung gibt: weich, vielschichtig, ohne scharfe Kanten. Rok Gin schließlich überträgt dieselbe Philosophie auf das Gin-Handwerk — Präzision im Detail, erkennbar japanischer Charakter, ohne westliche Gin-Konventionen einfach zu kopieren. Wer sich in dieses Sortiment einarbeitet, findet Spirituosen, die Geduld belohnen: beim Verkosten, beim Kombinieren mit Speisen, und beim Verstehen, was Handwerk bedeutet, wenn es über Generationen weitergegeben wird.