Fünf Generationen Marlborough — und ein Neuanfang von 1992
Der Name Mount Riley verweist auf einen 1.314 Meter hohen Gipfel der Richmond Range, der über das Wairau Valley wacht. Als John Buchanan 1992 seinen Job beim damals zweitgrößten Weingut Neuseelands aufgab, um zurück in seine Heimat zu gehen, war der Berg mehr als eine Namensgebung: Er stand für Verwurzelung. John ist in fünfter Generation Marlborougher — seine Mutter wuchs hier auf, er selbst verbrachte Kindheitssommer auf dem Bauernhof seiner Großeltern im Wairau Valley. In Marlborough zu bleiben war keine Überlegung, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Heute führen John, seine Tochter Amy und ihr Mann Matt Murphy das Weingut gemeinsam. Amy, ausgebildete Anwältin mit Berufserfahrung in Neuseeland und London, verantwortet den Betrieb. Matt, sieben Jahre Kellermeister bei Craggy Range, bringt handwerkliche Präzision mit. Amy und Matt sind die sechste Generation dieser Marlborough-Familie — das Weingut bleibt, was John von Anfang an beabsichtigte: fest in Familienhand.
Zehn Weinberge, ein Grundsatz: Qualität entsteht im Weinberg
Mount Riley bewirtschaftet zehn eigene Weinberge in Marlborough, verteilt über verschiedene Subregionen mit unterschiedlichen Bodentypen und Kleinklimata. Der Anderson Block, der älteste Weinberg, wurde bereits 1980 bepflanzt — seine steinigen Terrassenböden liefern charakterstarken Sauvignon Blanc. Der Litchfield Vineyard, der flächenmäßig größte, wird kaum bewässert, weil tiefe Silte eine hohe Wasserhaltekapazität bieten. Der Dillon Vineyard liegt auf Rapaura-Böden aus tiefem, freiem Flussskies — Sauvignon Blanc von dort zeigt stets eine gewisse steinige Mineralität. Der Winery Block schließlich, direkt am Keller, wird durch den Pazifik aus dem Osten temperaturgekühlt; geringe Rebtriebigkeit auf Schlufflehm-Böden hält die Erträge niedrig.
Zum Eigenbesitz kommen Früchte von ausgewählten unabhängigen Winzern, die nach denselben Maßstäben arbeiten. Dabei fließen regelmäßig Trauben aus dem Awatere Valley ein — kühler, trockener und windiger als das Wairau Valley, geprägt von erhöhten Terrassen und einer komplexen Mischung aus Löss, Kies und marinen Böden. Das Zusammenspiel beider Täler gibt den Weinen ihre Breite. Die Bewirtschaftung erfolgt nach den Grundsätzen von Sustainable Winegrowing New Zealand; Mount Riley ist zudem Mitglied von Appellation Marlborough Wine, und John Buchanan amtiert dort als Vorsitzender.
Sauvignon Blanc als Rückgrat — mit Tiefe im Detail
Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Chardonnay wachsen auf dem Weingut; der klare Schwerpunkt liegt auf dem Sauvignon Blanc, der Marlborough in der Weinwelt bekannt gemacht hat. Im Keller setzt Weinmacher Matt Murphy auf sorgfältige Selektion der Parzellen und unterschiedliche Vinifikationswege: Standardcuvées werden in Edelstahl bei kühlen Temperaturen vergoren, um die aromatische Frische zu erhalten. Für die gehobene Linie — wie den 17 Valley — setzt das Team auf Handlese, Ganztraubenpressung und indigene Hefen, Reifung in gebrauchten Burgunderfässern und acht Monate Hefelager, das dem Wein Textur und Tiefe gibt, ohne die Frucht zu überdecken. Das Ergebnis: Weine mit klarer Herkunftshandschrift, die zeigen, was Marlborough kann, wenn man ihr zuhört statt sie zu korrigieren.
Neben dem Flaggschiff-Sauvignon Blanc umfasst das Sortiment die zugänglichere Tower Rock-Linie, die denselben Anspruch in direkterer, fruchtbetonter Form umsetzt. Ob Awatere-Frucht mit kühler Kräuterstruktur oder Wairau-Trauben mit reifer tropischer Note — die Buchanan-Murphys verschneiden beides mit Bedacht zu Weinen, die trinkvergüngend und zugleich klar verortet sind.