Vom Kleinstbetrieb zur Rheingau-Referenz: die Geschichte der Familie Leitz
Die Wurzeln der Familie Leitz in Rüdesheim am Rhein reichen bis ins Jahr 1744 zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Weingut vollständig zerstört; Großvater Josef Leitz baute es danach wieder auf. Johannes' Vater übernahm den Betrieb nur kurz — er starb, als Johannes gerade 14 Monate alt war. Seine Mutter hielt das Gut im Nebenerwerb am Leben, bis Johannes Leitz 1985, frisch ausgebildeter Winzermeister, die Verantwortung übernahm — mit gerade einmal 2,9 Hektar Rebfläche.
Was folgte, ist eine der bemerkenswertesten Entwicklungsgeschichten im deutschen Weinbau. Aus dem Kleinstbetrieb wurde ein national wie international gefragtes Weingut mit heute rund 130 Hektar Rebfläche im Rheingau, davon gut 40 Hektar in Eigenbesitz. Seit 1996 ist Leitz Mitglied im VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter), 2011 kürte ihn der Gault Millau zum Winzer des Jahres. Seit einigen Jahren arbeitet Antonius Leitz, der Sohn von Johannes, aktiv im Betrieb mit — die Familientradition geht in die nächste Generation.
Hands-off im Keller, Handarbeit am Hang: Leitz' Arbeitsweise
Johannes Leitz nennt seine Kellerphilosophie selbst das „Hands-off-Prinzip": die Weine so wenig wie möglich bewegen, vor Sauerstoffeinfluss schützen und ihren eigenen Charakter entwickeln lassen. Im Keller — seit dem Neubau 2012 auf modernstem Stand — arbeitet Leitz mit Edelstahltanks für präzise Gärung und mit Holzfässern für natürliche Reifung; die wertvollsten Gewächse reifen in bis zu 60 Jahre alten großen Holzfässern.
Im Weinberg setzt Leitz konsequent auf Nachhaltigkeit: Herbizide und Insektizide werden weitgehend vermieden, artenreiche Begrünung und schonende Bodenbearbeitung fördern die Biodiversität. Eine Photovoltaikanlage deckt an sonnigen Tagen den gesamten Energiebedarf des Betriebs. Besonders am Herzen liegt Johannes Leitz der Erhalt der Steillagen am Rüdesheimer Berg — Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. In Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden rekultiviert er versunkene, teilweise begrabene alte Terrassenanlagen im Berg Rottland und Berg Kaisersteinfels.
Mineralischer Riesling und ein Pionier der alkoholfreien Welt: das Leitz-Sortiment
Das Herzstück des Sortiments sind trockene Rieslinge aus den Großen Lagen des Rüdesheimer Berges — Berg Schlossberg, Berg Rottland, Berg Roseneck und Berg Kaisersteinfels — sowie der ummauerten Monopollage Rosengarten direkt im Herzen Rüdesheims. Die Weine wachsen auf Schiefer- und Quarzitböden der Steilhänge über dem Rhein und tragen das Terroir deutlich ablesbar: klare Säurestruktur, mineralische Tiefe, moderater Alkohol. Der Stil folgt Leitz' Credo, Riesling rebsortenrein auf das jeweilige Terroir zu beziehen — ohne Verfälschung, ohne Überarbeitung.
Parallel dazu hat Johannes Leitz mit der Marke Eins Zwei Zero eine eigene Kategorie mitgeprägt: alkoholfreie Weine, die nicht als Verzichtsprodukt konzipiert sind, sondern mit echter sensorischer Substanz überzeugen wollen — als stiller Riesling, als Rosé oder als Sparkling. Die Linie ist in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert und wird in über 30 Ländern verkauft. Wer die Weine von Leitz kennt, versteht, warum Rüdesheim als Ausgangspunkt gilt: Steillagen, Fluss, Schiefer — und ein Winzer, der das alles in Ruhe arbeiten lässt.