Von der Massenwein-Kooperative zur apulischen Referenzadresse
Die Geschichte von L'Antesi beginnt mit einem Aufbruch. Als Angelo Maci 1989 in Cellino San Marco südlich von Brindisi die Genossenschaft Cantine Due Palme ins Leben rief, war Apulien noch weit entfernt von internationalem Renommee. Damals verkauften die meisten Kleinbauern der Region ihre Trauben und ihren Wein als Fasswein zu Niedrigpreisen — oft als Rohstoff an Keltereien in Norditalien. Maci, selbst Winzer in dritter Generation und ausgebildeter Agronom, überzeugte 15 Kollegen, gemeinsam eine Genossenschaft zu gründen, die Qualität konsequent über Volumen stellt. Was als kleiner Zusammenschluss begann, wuchs zu einer der bedeutendsten Genossenschaften Süditaliens heran: heute arbeiten über 1.200 Mitgliedsbetriebe mit rund 2.500 Hektar Rebfläche in den Provinzen Brindisi, Lecce und Taranto zusammen. Die Marke L'Antesi steht dabei für das Herz dieser Kooperative — die handwerklich ausgebauten Lagenweine aus dem Salento, die zeigen, was dieser Boden wirklich kann. Inzwischen hat Angelo Macis Tochter Melissa die Präsidentschaft übernommen und führt die Kellerei in seinem Sinne weiter.
Handarbeit im Weinberg, Präzision im Keller
L'Antesi bewirtschaftet die roten, kalkreichen Böden der Halbinsel Salento — dem Stiefelabsatz Italiens, eingeklemmt zwischen Adriatischem und Ionischem Meer. Die nächtliche Abkühlung durch die Meeresbrisen verlangsamt die Reife, schärft die Aromen und hält die Alkoholwerte moderat. Die Erträge bleiben bewusst niedrig, was die Trauben konzentriert. Alle Weinberge werden von einem fest angestellten Agronomen der Kooperative betreut; die Lese erfolgt selektiv von Hand. Im Keller wird mit malolaktischer Gärung und kontrollierter Temperaturführung gearbeitet — beim Flaggschiff Casalécchio di Sorbo etwa 18 Tage Fermentation im Stahltank, dann Ausbau der Malo und Reifung für rund zehn Monate in französischen Barriques, gefolgt von mindestens sechs Monaten Flaschenreife. Cantine Due Palme gehört zu den wenigen Genossenschaften Italiens, die ihre Weine als integralmente prodotti — vollständig im eigenen Betrieb erzeugt — deklarieren dürfen: eine lückenlose Rückverfolgbarkeit vom Weinberg bis zur Flasche. Darüber hinaus investiert die Kellerei seit Jahren in pestizidfreien Anbau und trägt die Zertifizierungen ISO 9001 und ISO 14001. Ein weiteres Kernanliegen ist die Erhaltung des traditionellen apulischen Alberello-Erziehungssystems — der buschförmige Freistand ohne Drahtrahmen, der die Trauben nahe am aufgeheizten Boden hält und für konzentrierte, charaktervolle Beeren sorgt.
Autochthone Stärke: Negroamaro, Primitivo und das Casalécchio
Das Sortiment von L'Antesi dreht sich um die klassischen Salento-Appellationen: Squinzano DOC, Salice Salentino DOC und Salice Salentino Riserva. Die Rebsorten Negroamaro, Malvasia Nera, Primitivo und die fast verschwundene Susumaniello bilden das Rückgrat — sortenreine oder minimal verschnittene Weine, die kraftvoll und fruchtintensiv sind, ohne schwerfällig zu wirken. Die Salice Salentino Riserva zeigt, was die Region bei reduziertem Ertrag und längerer Reifung leisten kann: dichte Struktur, dunkle Frucht, langer Abgang. Jenseits der DOC-Schiene steht das Casalécchio di Sorbo als IGP-Cuvée aus Primitivo und Syrah — je zur Hälfte aus alten Reben gelesen, zehn Monate Barrique, dann Flaschenreife. Das Ergebnis: tiefes Rubinrot, Brombeere, Himbeere, Schokolade und ein Hauch Lakritz, am Gaumen samtig mit festem, gut eingebundenem Tannin. Trinktemperatur: 16–18 °C. Zu geschmortem Rindfleisch, Pasta mit Wildragù oder reifem Pecorino.