Von der Winzerkooperative zur Institution des Kap-Weins
Am 8. Januar 1918 gründeten Weinbauern aus dem westlichen Kap unter Führung von Dr. Charles Kohler die Ko-operatiewe Wijnbouwers Vereniging van Zuid-Afrika — kurz KWV. Der Anlass war handfest: Nach dem Burenkrieg und dem Ersten Weltkrieg hatte die südafrikanische Weinindustrie mit Überproduktion, zusammengebrochenen Exportmärkten und unkontrollierten Preisen zu kämpfen. Kohler gelang es, bis Ende 1917 mehr als 90 Prozent aller Winzer des Kaps hinter sich zu versammeln und die Genossenschaft zu gründen. Ziel war, die Branche zu stabilisieren, gemeinsam zu verhandeln und Qualitätsstandards durchzusetzen.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs KWVs Einfluss weit über eine einfache Genossenschaft hinaus. Ab den frühen 1920er-Jahren erhielt die Organisation zunehmend gesetzliche Kontrolle über Produktion, Verkauf und Export. 1926 wurde KWV einer der ersten Branntweinhersteller am Kap und exportierte seine erste Abfüllung nach Großbritannien. 1949 kam mit dem Roodeberg ein Rotwein auf den Markt, der zu Südafrikas ikonischsten Marken werden sollte. 1972 initiierte KWV das südafrikanische Wine of Origin-System, das 1973 offiziell in Kraft trat und bis heute weltweit als Herkunftszertifizierung anerkannt ist. Mit dem Ende der Apartheid und der Öffnung der Weltmärkte in den frühen 1990er-Jahren wandelte sich KWV: 1997 wurde die Genossenschaft in eine privatwirtschaftliche Gesellschaft umgewandelt.
Traubenselektion aus über 400 Weinbergslagen, Keller in Paarl
KWV bezieht seine Trauben heute aus mehr als 50 Gütern und über 400 Weinbergsparzellen, die sich über die bedeutendsten Anbauregionen der Western Cape verteilen — darunter Paarl, Stellenbosch, Swartland, Elgin, Robertson und Wellington. Die Selektion liegt bei den eigenen Kellermeistern und Vitikultoren, die eng mit den Anbauern zusammenarbeiten und die Ernte von der Rebstockerziehung bis zum Lesezeitpunkt begleiten. Verarbeitet werden die Trauben in der Kellerei in Paarl, deren Kernstück der historische Cathedral Cellar aus dem Jahr 1930 ist — ein Gewölbebau auf knapp 32 Hektar Betriebsfläche, einer der größten Kellerkomplexe der südlichen Hemisphäre.
KWV nennt drei Nachhaltigkeitssäulen, an denen sich die Arbeit orientiert: menschliche Integrität, soziale Gleichheit und Umweltschutz. 2004 schloss das Unternehmen den bis dahin größten Broad-Based Black Economic Empowerment-Deal der südafrikanischen Weinindustrie ab, durch den Phetogo (Pty) Ltd. 25,1 Prozent der Anteile erhielt — ein strukturpolitisches Signal in einem Land, das seine Agrarwirtschaft nach dem Ende der Apartheid neu ausrichten musste.
Roodeberg, Laborie und die Winemakers Collection: drei Gesichter eines großen Hauses
KWVs Sortiment spannt einen weiten Bogen. Der Roodeberg, seit 1949 auf dem Markt, ist ein Rotwein-Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Shiraz, Tannat und weiteren Sorten der Western Cape. Die einzelnen Rebsorten werden getrennt vergoren, dann 14 bis 16 Monate in französischen Eichenfässern ausgebaut und erst danach assembliert — die genaue Zusammensetzung bleibt Kellereigenheimnis. Das Ergebnis ist ein körperreicher, trockener Rotwein mit Aromen von dunklen Beeren, Zedernholz, Anis und Schokolade, dichter Tanninstruktur und langem Abgang. Passend zu gebratenem Fleisch, kräftigen Eintöpfen oder gereiftem Hartkäse.
Die Winemakers Collection steht für die handwerkliche Seite des Hauses: sortenreine Weine wie der Chardonnay, der die Vielseitigkeit der Western Cape-Lagen zeigt. Laborie, das Weingut mit eigenem Gutsgebäude in Paarl, ergänzt das Portfolio um terroir-betonte Abfüllungen wie den Impossible Red. Dazu kommen Brandy-Abfüllungen, für die KWV international ausgezeichnet wurde — der 15-jährige Potstill Brandy gewann den Worldwide Trophy der International Wine and Spirits Competition bereits zehnmal.