Von Oyón an den Duero: eine Rioja-Familie sucht neues Terrain
Die Geschichte beginnt 1889 in Oyón, als Joaquín Martínez Bujanda dort seine ersten Reben pflanzte und den Grundstein für das Familienunternehmen legte. Vier Generationen später baute Don Jesús Martínez Bujanda in den 1980er-Jahren die heutigen Kelleranlagen und schuf mit Conde Valdemar die Marke, die den Namen der Familie in der Rioja zum Begriff machte. Heute führen die Geschwister Ana und Jesús Martínez Bujanda, fünfte Generation, das Haus – mit dem gleichen Erkundergeist, der ihre Vorfahren stets angetrieben hat.
2011 richteten die beiden den Blick über die Rioja hinaus und gründeten Fincas Valdemar in Nava de Roa, mitten in der Ribera del Duero. Die 1982 gegründete Appellation hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst zu einer der prestigeträchtigsten Rotweinregionen Spaniens entwickelt – ein logisches neues Kapitel für eine Familie, die in der Rioja mit anspruchsvollen, seltenen Rebsorten bereits Maßstäbe gesetzt hatte.
Steinböden auf 900 Metern: Arbeit im Hochland von Burgos
Die Weinberge von Fincas Valdemar liegen im Hochland von Nava de Roa in der Provinz Burgos, auf 850 bis 920 Metern Höhe. Steinige, kalkhaltige Böden wechseln sich mit sandig-lehmigen Partien und Kiesadern ab – eine Kombination, die dem Tempranillo Frische und mineralische Tiefe verleiht, während das vom Duero abgemilderte Mikroklima für eine gleichmäßige Reife sorgt.
Im Keller überträgt die Familie das Rioja-Handwerk auf die neue Herkunft: parzellenweise Vinifizierung und Ausbau in einer Kombination aus französischen und amerikanischen Eichenfässern, je nach Wein unterschiedlich lang. Zugleich verfolgt Valdemar im Weinberg konsequent nachhaltige Ansätze – Gründüngung, biologische Korridore und der Erhalt naturbelassener Flächen zwischen den Rebzeilen gehören zum Programm, wofür die Bodega die internationale Zertifizierung Wineries for Climate Protection erhalten hat.
Reintöniger Tempranillo mit Rioja-Handschrift
Die Weine von Fincas Valdemar sind sortenreiner Tempranillo aus den eigenen Lagen bei Nava de Roa. Im Glas zeigen sie sattes, dunkles Kirschrot, in der Nase reife schwarze Frucht, Pflaume und einen Hauch Kräuter der Macchia, dazu ein balsamischer Unterton mit zarter Röstnote aus dem Fassausbau. Am Gaumen süßer Antrunk, saftige Frucht, feines Tannin und ein langer, warmer Abgang.
Wer die Rioja-Klassiker der Familie kennt, erkennt in den Ribera-Weinen die gleiche Sorgfalt: präzise Selektion im Weinberg, behutsamer Ausbau im Keller und der Anspruch, den Charakter der Herkunft unverfälscht ins Glas zu bringen. Serviert bei 16 bis 18 °C, passen sie zu geschmortem Lamm, Rinderschmorbraten oder reifem Manchego – unkomplizierte, dabei ausdrucksstarke Begleiter für den Alltag am Tisch.