Vom Zuckerrüben-Erfinder zum Pionier der Ribera del Duero
Als Alejandro Fernández 1972 in seinem Heimatort Pesquera de Duero gemeinsam mit seiner Frau Esperanza Rivera eine kleine Kellerei aus dem 16. Jahrhundert erwarb, war die Ribera del Duero weinbaulich ein Niemandsland. Zuckerrüben und Getreide dominierten die kastilische Hochebene, und außer Vega Sicilia gab es keinen einzigen Betrieb, der konsequent auf Qualitätswein setzte. Fernández kannte das harte Leben auf dem Feld aus eigener Erfahrung: Er hatte als Jugendlicher die Zuckerrübenernte von Hand mitgemacht und später eine mechanische Rübenerntemaschine erfunden, deren Patent ihm das nötige Kapital für seinen eigentlichen Traum verschaffte.
1975 brachte er den ersten Tinto Pesquera auf den Markt, zunächst noch mit einer alten Baumpresse gekeltert. Der Wein war nach dem Geburtsort des Paares benannt — eine Geste, die zeigt, wie tief Fernández in seiner Heimat verwurzelt war. In den frühen 1980er Jahren hatte Pesquera so viel Aufsehen erregt, dass die spanischen Weinbehörden nicht mehr wegsehen konnten: 1982 erhielt die Ribera del Duero ihre Denominación de Origen, maßgeblich durch Fernández' Pionierarbeit. 1985 rückte Robert Parker den Janús, eine Sonderauswahl der Pesquera-Reihe, in den Kreis der besten Weine der Welt — und machte die Bodega international bekannt. In den Folgejahren wuchs das Familienprojekt: 1995 kam Condado de Haza hinzu, 1998 Dehesa La Granja in der Provinz Zamora und 1999 El Vínculo in La Mancha. Heute führen die nächsten Generationen der Familia Fernández Rivera das Unternehmen weiter.
Kompromisslose Handschrift: Tempranillo, Ertragskontrolle, Fassreife
Alejandro Fernández hat nie einen akademischen Weinbauabschluss gemacht — sein Handwerk war Intuition, Beobachtung und Sturheit gegenüber Modeströmungen. Alle seine Bodegas arbeiten ausschließlich mit Tempranillo, der in der Ribera del Duero lokal als Tinto del País bekannt ist. Die Reben wachsen auf niedrig erzogenen Spalieren, die Fernández bewusst nahe am Boden ausrichtete, damit die Trauben von der gespeicherten Wärme des Steinbodens profprofitieren. Ertragskontrolle und Handlese aus eigenen Weinbergen sind Grundprinzip — zugekaufte Trauben kommen nicht in die Flasche.
Im Keller setzte Fernández früh auf Verzicht: keine Filtration, keine Schönung mit Eiweiß — eine für Spanien damals ungewöhnliche Entscheidung, die er damit begründete, dass jeder Eingriff Aroma kostet. Seit 1982 werden die Trauben entrappt und je nach Jahrgang bis zu 20 Tage mazeriert. Für die Reifung griff er zunächst ausschließlich auf amerikanische Eiche zurück, die dem Wein seine charakteristische Würze mitgibt; im Laufe der Jahre wurden französische Barriques schrittweise ergänzt. Der Tinto Pesquera reift mindestens 15 Monate im Holz, Reservas und Gran Reservas bleiben 24 Monate und länger im Fass.
Kraftvolle Tempranillos mit Tiefe — von Pesquera bis Zamora
Was alle Weine der Familia Fernández Rivera verbindet, ist ein klares stilistisches Bekenntnis: dunkle Fruchtfülle, ausdrucksstarke Tannine, ein Holzausbau, der das Fruchtbild rahmt, ohne es zu überdecken. Der Tinto Pesquera Crianza zeigt dunkle Kirsche, reife Brombeere und die typische Zedernwürze amerikanischer Eiche — zugänglich, dabei mit deutlicher Struktur im Abgang. Die Reserva-Abfüllung gewinnt durch längere Fasszeit an Komplexität: Leder, Tabak und getrocknete Pflaume gesellen sich zur Frucht, das Tannin ist poliert, der Abgang lang. Gut zu gegrilltem Lamm, Spanferkel oder kräftigem Hartkäse wie Manchego.
Das Condado de Haza, aus Weinbergen am Südhang des Duero, arbeitet mit demselben Rebsorten-Prinzip, zeigt aber eine etwas kühlere, mineralischere Note — der Crianza passt zu Linsengerichten mit Chorizo oder geschmorter Rinderschulter. Die Dehesa La Granja aus Zamora, unweit des Toro-Gebiets, bringt das intensivste Profil der Gruppe: voller Körper, dichte Tannine, dunkle Frucht mit einem Hauch Eukalyptus im Abgang — ein Wein für den Winterabend, zu Wild oder gereiftem Schafskäse.