Von der Jagdfinca zur Finca Reserva de Biodiversidad
Die Geschichte von Dehesa de Luna beginnt nicht mit Wein, sondern mit einer Entscheidung: 1996 kaufte die Familie Gómez-Torres eine weitläufige Jagdfinca im Campo de Montiel, nahe La Roda in der Provinz Albacete. Alfredo Gómez-Torres, Agronom von Beruf, und seine Frau Silvia Mora-Figueroa Domecq – aus einer Familie mit tief verwurzelter Tradition im Agrar- und Lebensmittelbereich – stellten sich eine schlichte Frage: Wenn ein Wein von dem Land geprägt wird, auf dem er wächst, was würden Reben inmitten von 3.000 Hektar unberührter Natur ergeben? Die Antwort ließ einige Jahre auf sich warten. Erst 2001 wurden die ersten Reben gepflanzt, Merlot und Tempranillo auf der Parzelle El Viñazo, 2003 folgten Syrah und Cabernet Sauvignon auf La Mata de la Culebra. Die erste vinifizierte Ernte stammte aus 2005; seit 2012 verfügt das Gut über eine eigene Bodega auf der Finca.
Weinbau im Takt der Natur: Ökologie als Grundprinzip
Was Dehesa de Luna von den meisten Weingütern unterscheidet, ist das Verhältnis von Weinberg zu Wildnis. Von den rund 3.000 Hektar Gesamtfläche bleiben fast zwei Drittel dauerhafter Mittelmeerwald – Steineichen, Wacholder, Ginster, Rosmarin – und Lebensraum für Kaiseradler, Großtrappen und Rotreben. Nur 64 Hektar sind dem ökologischen Weinbau vorbehalten, eingebettet zwischen den alten Eichen, um die herum die Rebzeilen angelegt wurden. Die Bodega hält Zertifizierungen nach IFS, ISO 14001 und dem Programm Wineries for Climate Protection und ist Mitglied der Spanischen Vereinigung ökologischer Weingüter (SOW). Im Weinberg schützen begrünte Bodenflächen den Boden vor Erosion und erhalten die natürliche Fruchtbarkeit; Solarenergie deckt einen Teil des Energiebedarfs der Kellerei, und die Bewässerung aus hauseigenen Brunnen wird streng rationiert. Selbst der Erntezeitpunkt richtet sich nach der Natur: Um die Brutsaison des Rebhuhns zu schützen, das unter den Feldfrüchten nistet, wird die Lese bewusst in den Sommer vorgezogen.
Neben dem Weinbau wachsen auf der Finca ökologisch bewirtschaftete Oliven, Mandeln, Pistazien und Getreide – ein bewusstes Bekenntnis zur Vielfalt, das weit über das Weinglas hinausreicht.
Weine mit Dehesa-Charakter: kraftvoll, aromatisch, ortstreu
Das Sortiment spiegelt die Landschaft direkt wider. Orígenes – der Einstiegswein und zugleich älteste Cuvée des Hauses – verbindet Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Syrah aus den beiden Ursprungslagen des Guts. Der Purgapecados setzt auf 100 % Cabernet Sauvignon, 14 Monate in französischen Eichenfässern ausgebaut: vollmundig, mit dunklen Fruchtaromen und einem langen Abgang. Den Gegenpol bildet die Garnacha Blanca, ein weißer Wein mit Zitrus- und tropischen Aromen sowie würzigen Kräuternoten. Das Flaggschiff Gran Luna durchläuft eine präzise Mazerationszeit von 14 bis 17 Tagen je Sorte, die malolaktische Vergärung findet in neuen französischen Barriques (225 Liter) statt, der Ausbau dauert 15 bis 18 Monate in denselben Fässern – das Ergebnis: tiefes Rubinrot, reife schwarze Früchte mit Pfefferwürze und Garrigue-Anklang, seidiger Körper, sehr langer Abgang. Alle Weine sind zu 100 % ökologisch und vegan. Die Etiketten tragen Illustrationen der Vögel, die über die Finca streichen – Kaiseradler, Rotmilan, Wanderfalke –, und machen so die Idee der Biodiversidad auf jeder Flasche sichtbar. Trinktemperatur: Rotweine bei 16–18 °C, der Weiße und der Rosé bei 8–10 °C.