Larry McKenna und der Aufbruch nach Te Muna
Escarpment Vineyard wurde 1999 von Larry McKenna und seiner Frau Sue gegründet, gemeinsam mit den australischen Investoren Robert und Mem Kirby. Das Grundstück an der Te Muna Road, wenige Kilometer östlich des Dorfes Martinborough, hatte McKenna bereits 1998 gesichert — als logischen nächsten Schritt einer langen Karriere, die Martinborough als Pinot-Noir-Region überhaupt erst auf die Weltkarte gebracht hatte. McKenna, in Australien ausgebildet und seit 1986 als Kellermeister bei Martinborough Vineyard tätig, hatte dort dreizehn Jahrgänge lang bewiesen, dass das Wairarapa burgundische Ambitionen trägt. 2014 wurde er in die New Zealand Wine Hall of Fame aufgenommen — als der Mann, der Neuseeland mit qualitativem Pinot Noir vertraut gemacht hat. 2019 übernahm das australische Weingut Torbreck das Gut; McKenna blieb als beratender Kellermeister eingebunden, bevor er das Ruder an den heutigen Winemaker Tim Bourne und Viticulturist Rowan Hoskins übergab.
Alte Kiesel, kühle Nächte, minimale Eingriffe
Der Name ist Programm: Ein Escarpment — ein langer Steilhang am Ende eines Plateaus — definiert die Lage buchstäblich. Die 24 Hektar Rebfläche liegen auf alluvialen Kiesböden der Martinborough Terrace, die über 75.000 Jahre alt sind und vom Huangarua River abgelagert wurden. Freie Drainage, nährstoffarme Substrate, heiße Trockensommer und kühle Herbstnächte verlangsamen die Reife und bauen Aromatiefe auf, bevor die Ernte im April stattfindet. Rund 70 Prozent der Fläche tragen Pinot Noir, der Rest entfällt auf Chardonnay, Pinot Gris und Pinot Blanc.
Im Keller gilt: so wenig wie möglich, so gezielt wie nötig. Jeder Block wird separat gelesen und vergoren, um die Unterschiede der einzelnen Parzellen sichtbar zu machen. Für den Pinot Noir bedeutet das Spontangärung mit Wildhefen, Ganztraubeanteile in vielen Fermentationen, handgeführtes Untertauchen der Maischeschicht in offenen kleinen Behältern — kein mechanisches Pumpen. Nach der Pressung reifen die Weine 11 bis 18 Monate in französischen Eichenfässern, typischerweise mit 25 bis 35 Prozent Neuholz, je nach Weintyp und Jahrgang.
Pinot Noir in Lagen, benannt nach dem Sternenhimmel und dem Ozean
Escarpment arbeitet nach einem burgundischen Grundprinzip: Die besten Parzellen werden nicht zusammengemischt, sondern einzeln abgefüllt und nach ihrem Ursprungsort benannt. Die vier Einzellagen-Pinot-Noirs tragen dabei Namen aus der māorischen Tradition — eine Referenz an den polynesischen Navigator Kupe, dessen Legende mit den Aorangi Ranges unmittelbar über dem Weinberg verknüpft ist. Kupe ist der Flaggschiff-Wein, benannt nach dem Entdecker, der Aotearoa Neuseeland nach māorischer Überlieferung erstmals betrat. Kiwa steht für den Ozean, Pahi für das polynesische Auslegerboot, Te Rehua für den Stern Antares — einen Navigationspunkt des Südsternhimmels. Darunter rangiert der Escarpment Pinot Noir, eine Cuvée aus mehreren Te-Muna-Parzellen mit klassisch savourösem Charakter, sowie der Chardonnay, der mit straffer Säure und mineralischer Tiefe burgundische Maßstäbe anlegt. Das Sortiment zeigt, wie ein Terroir auf verschiedenen Ebenen lesbar wird — vom zugänglichen Einstiegswein bis zum komplexen Einzellagen-Pinot, der Struktur und Frucht gleichermaßen fordert.