Vom Pionier des Columbia Valley zum Gründungsweingut Washingtons
Die Geschichte von Château Ste. Michelle beginnt an einem symbolträchtigen Tag: Am 5. Dezember 1933 — dem Tag der Prohibition-Aufhebung — wurde die Vorgängergesellschaft National Wine Company (NAWICO) in Seattle gegründet. Schon wenige Jahre später pflanzte sie als erste überhaupt Vinifera-Reben im Columbia Valley und legte damit den Grundstein für eine der aufregendsten Weinregionen Nordamerikas. Aus der späteren Fusion mit Pommerelle zu American Wine Growers entstand unter der Regie des legendären Napa-Kellermeister André Tchelistcheff das erste Premium-Label des Bundesstaates Washington. 1976 eröffnete das Château in seiner heutigen Form in Woodinville, östlich von Seattle, auf dem historischen Anwesen des Holzbarons Frederick Stimson. Seit dem Verkauf an die Wyckoff-Familie Ende 2025 befindet sich das Weingut wieder in privater Hand.
Über neun Jahrzehnte hat Château Ste. Michelle die Weinkultur Washingtons geprägt wie kein zweites Haus. Wine Enthusiast kürte das Weingut zum American Winery of the Year 2004; Wine & Spirits zeichnete es 22-mal als Winery of the Year aus. Aus diesem Fundament wächst bis heute das Selbstverständnis: nicht nur Weine zu machen, sondern die Region als Ganzes voranzubringen.
Großes Anbaugebiet, präzise Handschrift — Weinbau im Columbia Valley
Das Columbia Valley AVA liegt östlich der Kaskadenkette, die den pazifischen Regen abfängt und dem Tal nur 150–200 Millimeter Niederschlag pro Jahr lässt. Was bleibt, sind rund 300 Sonnentage, ausgeprägte Tag-Nacht-Temperaturunterschiede und Böden mit freier Drainage — Bedingungen, unter denen Riesling, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Chardonnay konzentrierte Frucht bei lebendiger Säure ausbilden. Château Ste. Michelle bewirtschaftet im Columbia Valley mehr als 2.000 Hektar eigene Weinberge, darunter die Lagen Cold Creek und Canoe Ridge Estate als Flaggschiffe. Alle Reben im Columbia Valley stehen auf unveredelter Unterlage — eine Seltenheit, die Lagencharakter und sortentypischen Ausdruck in ihrer ursprünglichsten Form bewahrt.
Im Keller trägt das Weingut seinen Nachhaltigkeitsansatz konsequent weiter: Canoe Ridge Estate und Cold Creek sind sowohl LIVE-zertifiziert (Low Input Viticulture and Enology) als auch Salmon-Safe-zertifiziert — ein Programm zum Schutz der Lachshabitate in den Flüssen des pazifischen Nordwestens. Die Philosophie dahinter fasste Rotweinmacher Brian MacKey treffend zusammen: verantwortungsvolle Hüter dieser Weinbergsflächen zu sein, damit sie noch Jahrzehnte Früchte tragen.
Zwei Weinstile, drei Terroirs — was dich im Glas erwartet
Château Ste. Michelle denkt in Lagen, nicht in Einheitsstilen. Das Woodinville-Château keltert ausschließlich Weißweine — Riesling, Chardonnay, Gewürztraminer — in Edelstahltanks, die frische Frucht und klare Säurestruktur betonen. Die Rotweinfertigung verantwortet das Canoe Ridge Estate Winery in Eastern Washington, wo Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah aus dem warmen Herzstück des Columbia Valley mit mehr Körper und Struktur heranreifen. Die Einzellagen-Weine — allen voran der Cold Creek Cabernet Sauvignon — stehen für die kühlere, mineralische Seite Eastern Washingtons: dunkelfruchtige Intensität, präzise Tannine, langer Abgang. Über das Columbia Valley-Sortiment hinaus entstanden renommierte Kooperationen: mit Ernst Loosen von der Mosel für den Eroica Riesling und mit dem toskanischen Haus Antinori für den Col Solare. Im Vinoscout-Sortiment findest du die klassischen Columbia-Valley-Linien — Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Merlot, Syrah — sowie die Einzellagen-Cuvées von Cold Creek und Canoe Ridge, die zeigen, wozu Washington State wirklich fähig ist.