Seit 1428 belegt, seit dem 19. Jahrhundert in Familienhand
Château Siran liegt in Labarde, der südlichsten Gemeinde der Appellation Margaux. Der Besitz ist seit 1428 urkundlich belegt und trägt den Namen seines ersten Eigentümers, Guilhem de Siran. Später gehörte er der Familie Toulouse-Lautrec, den Großeltern des Malers Henri de Toulouse-Lautrec. Bei der Klassifizierung von 1855 blieb Siran außen vor und ist bis heute unklassifiziert.
1859 übernahm die Familie Miailhe das Gut. Sie arbeitete zuvor über Generationen als Weinmaklerfamilie. Fréderic Miailhe kaufte 1915 die Anteile der übrigen Erben zurück. William-Alain Miailhe rüstete den Betrieb ab 1978 technisch auf und holte mit Émile Peynaud den ersten Berater-Önologen ins Haus. Seine Frau Brigitte führte das Gut von 1988 bis 2007. Seitdem leitet Édouard Miailhe, sechste Generation, Siran.
Parzelle für Parzelle: Neupflanzung und nachhaltiger Weinbau
2008 stellte Édouard Miailhe den Weinberg in den Mittelpunkt und startete ein großes Neupflanzungsprogramm. Heute umfasst der Weinberg 37 Parzellen, die älteste stammt von 1920. Die Reben stehen auf einem Plateau mit feinem, kieseligem Kies. Von den rund 88 Hektar des Guts sind etwa 38 Hektar bepflanzt. Der Rest sind Wälder und Wiesen, die der Artenvielfalt dienen.
Das Gut arbeitet nachhaltig und ist seit 2018 mit HVE3 zertifiziert. Auf mehreren Parzellen testet es seit 2018 den ökologischen Anbau. Im Weinberg setzt Siran auf Begrünung, Pflügen und organische Düngung. Im Keller reifen die Weine in Eichenfässern, das neue Holz wird bewusst dosiert. Als Berater arbeitet Hubert de Boüard de Laforest mit dem Team zusammen. Auffällig ist der Keller: ein umgebauter Atombunker, in dem ältere Jahrgänge lagern.
Margaux mit viel Petit Verdot: Stil und Sortiment
Siran setzt auf Merlot und Cabernet Sauvignon. Dazu kommt ein für die Appellation ungewöhnlich hoher Anteil Petit Verdot. Er bringt Konzentration und den würzigen Nachhall, den man von Siran kennt. Die Weine suchen die Balance zwischen weichen Tanninen, intensiver Frucht und anhaltender Frische. Sie wirken eleganter als kraftvoll, ohne die Struktur des Médoc zu verlieren. Zu Lammrücken, Entrecôte oder reifem Hartkäse passt dieser Stil gut.
Das Sortiment reicht vom Grand Vin Château Siran über den Zweitwein S de Siran bis zu Saint-Jacques de Siran. Dieser Wein stammt von einer Parzelle direkt neben den Margaux-Reben. Sie liegt außerhalb der Appellation auf Tonböden über altem Garonne-Schwemmland. Zwischen 1980 und 2005 trugen die Flaschen des Grand Vin Künstieretiketten. Diese Tradition geht auf Brigitte und William-Alain Miailhe zurück.