Von Marcel Ballarins erstem Rebstock bis zur dritten Generation
Die Geschichte des Château Roc de Levraut beginnt in den 1930er Jahren, als Marcel Ballarin, frisch aus Spanien nach Sauveterre-de-Guyenne zugezogen, die ersten Rebflächen im Entre-Deux-Mers rodete und bepflanzte. Die Arbeit war hart und bodenständig: Die Reben wurden mit Ochsengeschirr bearbeitet, das Land Schritt für Schritt erschlossen. In den 1970er Jahren übernahm Rogar Ballarin, Marcels Sohn, das Ruder — er brachte modernere Kellertechnik und das erste weinbauliche Fachwissen ins Gut. Seit 2001 führt Rémi Ballarin, Vertreter der dritten Generation, das Weingut. Er ließ den Rebbestand mit auf Qualität ausgerichteten Sorten und Klonen neu bepflanzen, baute einen zeitgemäßen, funktionalen Keller und richtete das Gut konsequent auf internationale Märkte aus. Heute verlassen rund 250.000 Flaschen pro Jahr das Château — in die USA, nach Deutschland, China, Japan und Frankreich.
42 Hektar Ton-Kalk-Böden, HVE-Zertifikat und der Weg zum Bio-Anbau
Das Weingut bewirtschaftet 42 Hektar Rebfläche in der AOP Bordeaux Rouge und Bordeaux Supérieur. Die Böden des Entre-Deux-Mers sind hier typisch: eine Ton-Kalk-Basis, bedeckt von einer dünnen Kiesschicht, dazwischen immer wieder größere Steinblöcke — regional als Roc de Levraut bezeichnet und damit Namensgeber des Châteaus. Die südlich exponierten Hanglagen sorgen für gleichmäßige Sonneneinstrahlung während des gesamten Tages, was eine zuverlässige Reife der Trauben begünstigt.
Rémi Ballarins zentraler Ansatz ist bewusste Ertragsreduktion: Weniger Trauben pro Rebstock, dafür konzentriertere Qualität. Seit 2018 trägt das Gut die HVE-Zertifizierung (Haute Valeur Environnementale), eine staatliche französische Umweltzertifizierung. Die Umstellung auf ökologischen Anbau ist bereits eingeleitet. Das fünfköpfige Team um Sébastien, Jean Michel, Arnaud, Clémence und Emilie kümmert sich sowohl um die Arbeit im Weinberg als auch im Keller — ein bewusst klein gehaltener Betrieb, in dem jede Hand zählt.
Im Keller werden die handgelesenen Trauben temperaturkontrolliert rund drei Wochen vergoren. Anschließend reift der Wein etwa zwölf Monate, während die Hefe regelmäßig abgezogen wird, um den Wein auf natürlichem Weg zu klären und die Tannine durch den kontrollierten Sauerstoffeintrag zu glätten.
Bordeaux mit Substanz — Merlot und Cabernet aus dem Entre-Deux-Mers
Das Sortiment konzentriert sich auf zwei Appellationen: Bordeaux Rouge und Bordeaux Supérieur. Beide Cuvées setzen auf Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc — je nach Jahrgang und Cuvée in unterschiedlicher Gewichtung. Im Glas zeigen die Weine eine tiefe, rubinrote Farbe. Die Nase bringt dunkle Frucht — Schwarzkirsche, Pflaume, Cassis — ergänzt durch Noten von Kaffee, Toastholz und einem Hauch Zedernholz. Am Gaumen arbeiten die Tannine weich und gut integriert, die Struktur ist klar, der Abgang mittellang mit leichter Würze. Rémi Ballardins Anspruch ist ein Bordeaux, der zugänglich und ausdrucksstark zugleich ist — kein Showwein, aber ein Wein mit echtem Charakter aus einem terroir, das im Entre-Deux-Mers zu den besseren zählt.