Ein Gut mit Geschichte: von 1766 bis zur Familie Bernard
Château Peyrabon zählt zu den Weingütern des Haut-Médoc, deren Wurzeln urkundlich bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Bereits im 19. Jahrhundert war der Ruf des Gutes so gefestigt, dass der damalige Eigentümer Arnaud Roux vor Gericht zog, um eine Aufnahme in die Klassifizierung von 1855 zu erstreiten – ein Verfahren, das 1869 zu seinen Ungunsten entschieden wurde. Die Episode zeigt, welchen Stellenwert Peyrabon schon damals im Médoc besaß, auch ohne den Titel eines Grand Cru Classé.
Die moderne Ära des Anwesens beginnt 1998, als Patrick Bernard das Château übernahm. Der Bordeaux-Négociant, Gründer des Handelshauses Millésima und Verwandter von Olivier Bernard (Domaine de Chevalier), investierte seither kontinuierlich in Weinberg und Keller. Seit dieser Übernahme hat sich der Betrieb sowohl in seiner Fläche als auch in seinem Renommee spürbar weiterentwickelt.
Kiesboden, zwei Appellationen und die Handschrift von Xavier Michelet
Das Gut liegt in Saint-Sauveur-en-Médoc auf einem Kieshügel, wenige Kilometer von Pauillac entfernt – eine Lage, die den Weinen Struktur und Mineralität verleiht. Von den insgesamt rund 52 Hektar Rebfläche liegt der größte Teil in der Appellation Haut-Médoc, dazu kommen rund sieben Hektar in Pauillac, die 2005 um weitere Parzellen erweitert wurden und ausschließlich für den Zweitwein Château La Fleur Peyrabon reserviert sind. Diese Aufteilung auf zwei Appellationen ist unter Médoc-Gütern ungewöhnlich und erlaubt es, zwei eigenständige Weinstile parallel zu verfolgen.
Im Keller verantwortet Önologe Xavier Michelet gemeinsam mit Patrick Bernard die Vinifikation. Die Trauben werden von Hand gelesen und sortiert, die Rebsorten separat vergoren, um den Charakter jeder Parzelle herauszuarbeiten, bevor die finale Assemblage entsteht.
Kiesgeprägter Stil mit Tiefe – was dich im Glas erwartet
Die Cuvées von Château Peyrabon setzen sich aus den klassischen Bordeaux-Rebsorten zusammen: Cabernet Sauvignon bildet mit rund der Hälfte bis knapp zwei Dritteln des Anteils das Rückgrat, ergänzt durch Merlot für Fülle, Cabernet Franc für aromatische Finesse und einen kleinen Anteil Petit Verdot, der Tanninstruktur beisteuert. Das Ergebnis sind Weine mit dunkler Frucht, würzigen Noten und einer Frische, die dem Kiesterroir nahe der Pauillac-Grenze entspringt.
Der Zweitwein Château La Fleur Peyrabon, gewachsen auf den Pauillac-Parzellen, zeigt sich dichter und tanninbetonter – ein Spiegelbild seiner Herkunft aus einer der renommiertesten Gemeinden des linken Ufers. Wer die Weine von Château Peyrabon probiert, erhält damit Einblick in zwei Facetten desselben Terroirs: die zugängliche, fruchtbetonte Seite des Haut-Médoc und die konzentriertere Linie aus Pauillac.