Vom Jagdschloss zum Grand Cru: die Geschichte des Château Martinet
Mitten in Libourne, eingebettet in ein 25 Hektar großes Anwesen mit sechs Hektar parkähnlichem Garten und altem Baumbestand, steht das Herrenhaus des Château Martinet — ein klassischer Bau aus dem 18. Jahrhundert, der zunächst als Jagdrelais diente. Erst später wandelte sich das Domaine zur Weinwirtschaft und wurde so zum Ausgangspunkt eines der angesehensten Crus der Appellation Saint-Émilion. Heute gehört das Château zur Pradel de Lavaux Gruppe, die auf Bordeaux' rechter Uferseite mehrere Weingüter vereint und deren Kelterei-Kompetenz sowie Netzwerk dem Martinet direkt zugutekommen.
Handarbeit und Parzellenvinifikation im Herzen des Libournais
Die 17 Hektar Reben wachsen auf sandig-kiesigen Böden — ein Terroir, das den Wurzeln ein gutes Drainage-Regime gibt und die Beeren zur konzentrierten Reife treibt. Das Durchschnittsalter der Stöcke liegt bei 40 Jahren: Wurzeln, die tief genug reichen, um den mineralischen Charakter des Untergrunds im Wein zu spiegeln. Gelesen wird ausschließlich per Hand, anschließend erfolgt eine manuelle Traubensortierung. Die Maische fermentiert in kleinen, temperaturgesteuerten Tanks, die eine parzellengenaue Vinifikation ermöglichen — ein wichtiger Schritt, um die Individualität jedes Weinbergsstücks zu erhalten.
Nach einer Mazeration von zwei bis drei Wochen reifen die Weine 15 bis 18 Monate in Eichenfässern, davon ein Drittel neue Barrique, zwei Drittel bereits benutztes Holz. Dieser Mix gibt dem Wein Struktur und Tiefe, ohne die Frucht hinter Röstaromen zu begraben. Gilles Pauquet und Stéphane Toutoundji verantworten Weinberg und Keller und sorgen für Kontinuität im handwerklichen Ansatz.
Merlot-Dominanz, seidige Tannine, langer Abgang
Die Assemblage setzt auf 65 Prozent Merlot und 35 Prozent Cabernet Franc — eine für Saint-Émilion typische Kombination, die hier zu einem mittelschweren bis vollmundigem Rotwein mit dichter, dunkelroter Farbe führt. In der Nase öffnet sich der Wein mit Kirschen, zerdrückten schwarzen Früchten, Kräutern und einem Hauch Vanille; am Gaumen setzen sich schwarze Johannisbeere und Gewürznoten fort, gestützt von fest integrierten, seidigen Tanninen. Der Abgang ist lang, mit feiner Balance zwischen Frucht und Holz. Serviertemperatur 16–18 °C. Klassische Begleitung: Entrecôte bordelaise, Wildschwein, Confit de canard oder kräftig gereifter Comté.