Von Barton & Guestier zu Domaine Clarence Dillon: eine lange Besitzgeschichte
Château Grand-Pontet gehört zu den ältesten dokumentierten Gütern in Saint-Émilion. Die ersten Rebstöcke auf diesem Terrain werden bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückgeführt. Durch wechselnde Hände gelangte das Weingut schließlich zum bekannten Bordeaux-Negociant Barton & Guestier, der es für einen Großteil des 20. Jahrhunderts hielt. 1980 erwarb die Familie Bécot — auch Eigentümer von Château Beau-Séjour Bécot — das Gut gemeinsam mit der Familie Pourquet. Sylvie Pourquet-Bécot leitete das Château über zwei Jahrzehnte und prägte dessen Ruf als verlässlicher Grand Cru Classé. 2021 übernahm Domaine Clarence Dillon, das Mutterhaus von Château Haut-Brion und Château La Mission Haut-Brion in Pessac-Léognan, das Anwesen und integrierte es in seinen Saint-Émilion-Betrieb rund um Château Quintus.
Kalksteinplateau direkt vor den Toren des Dorfes
Das Weinberg-Ensemble von Grand-Pontet liegt auf dem westlichen Plateau von Saint-Émilion, wenige Meter vom Dorfkern entfernt, und bildet einen zusammenhängenden Block. Die Nachbarn lesen sich wie ein Who's who der Appellation: Château Canon, Clos Fourtet und Château Beau-Séjour Bécot grenzen unmittelbar an. Das Plateau erreicht bis zu 55 Meter Höhe und ist nach Norden, Westen und Süden exponiert — eine Vielzahl kleiner Mikroklimata, die dem Merlot und dem Cabernet Franc unterschiedliche Reifebedingungen bieten. Der Untergrund besteht aus Kalkstein, über dem sich dünne Ton-Kalkstein- und tonig-sandige Schichten lagern. Diese Böden halten Feuchtigkeit zurück, ohne Staunässe zu erzeugen, und zwingen die Reben, tief zu verwurzeln.
Die Vinifikation erfolgte traditionell in kleinen, temperaturgesteuerten Edelstahltanks unterschiedlicher Größe — eine kleinteilige Kellerarbeit, die eine parzellenweise Vinifikation ermöglicht. Der Ausbau fand über 12 bis 18 Monate in französischen Eichenholzfässern statt, wobei der Anteil neuer Fässer je nach Jahrgang angepasst wurde. Mit der Übernahme durch Domaine Clarence Dillon fließen die Trauben nun in den Selektionsprozess von Château Quintus ein.
Merlot-geprägter Stil mit Struktur und Tiefe
Die Cuvée von Grand-Pontet basierte auf rund 70 % Merlot, ergänzt durch Cabernet Franc und kleinere Anteile Cabernet Sauvignon. In reifen Jahrgängen zeigte der Wein ein tiefes Granat-Purpur, in der Nase dunkle Kirschen, Pflaumen, Veilchen und einen Hauch Erde und Tabakleder. Am Gaumen trug der Kalksteinuntergrund zu einer mineralischen Linie und einem langen Abgang bei — das typische Profil der westlichen Plateau-Lagen von Saint-Émilion, das mehr Struktur mitbringt als viele der flacheren Sand- und Kiesböden der Appellation. Als Zweitwein existierte der Dauphin de Grand Pontet. Das im Shop erhältliche Château Haut Pontet Saint-Émilion Grand Cru stammt aus dem gleichen geografischen Umfeld und steht für den klassischen rechten Bordeaux-Stil dieser Ecklage: fruchtbetont, mit fester Tanninstruktur und dem charakteristischen Kalk-Mineralton des Plateaus. Trinktemperatur: 16–18 °C. Klassisch zu Entenbrust, Lammkeule oder reifem Comté.