Seit 1924 in Familienhand: die Escures und ihr Erbe am Fuß der Côteaux
Das Château Grand Pey Lescours gehört seit 1924 der Familie Escure — damals übernahm sie das Weingut von der Baronne de Brezets, die dem Gut bis dahin seinen noblen Charakter geprägt hatte. Seither wird es in direkter Linie weitergegeben: Heute steht die dritte Generation an der Spitze, seit 1999 leitet Françoise Escure die Geschicke des Betriebs. Das Château liegt auf der Gemeinde Saint-Sulpice-de-Faleyrens, unweit der Dordogne — im südwestlichen Teil der Appellation Saint-Émilion Grand Cru, dort, wo die sanften Hänge der Côteaux in die Ebene übergehen. Neben Grand Pey Lescours bewirtschaften die Escures auch das Château Bellisle Mondotte auf den argilo-calcaires von Saint-Laurent-des-Combes im Osten der Appellation.
Biologischer Weinbau ohne Abkürzungen: Arbeit im Weinberg und im Keller
Das rund 25 Hektar große, zusammenhängende Weingut wächst auf kiesig-sandigen Böden; in einigen Parzellen liegt eisenhaltiger Untergrund — sogenannte Crasse de Fer oder Alios — direkt unter dem Wurzelwerk. Dieses Terroir formt die Struktur der Weine ebenso wie die konsequente biologische Bewirtschaftung, die das Weingut seit über zehn Jahren praktiziert. Herbizide und synthetische Dünger sind tabu. Zwischen den Reben wächst stattdessen natürlicher Bewuchs oder eine gezielte Begrünung aus Hafer, Futtererbsen und Ackerbohnen — je nach Jahresbedarf. Sämtliche Weine tragen die Bio-Zertifizierung von Ecocert.
Die Weinlese erfolgt ausschließlich von Hand, parzellenweise und erst bei optimaler Reife. Im Keller arbeitet das Team auf Selektiertischen, die Blätter, Stiele und unreife Beeren maschinell aussortieren. Die leicht angeqüetschten Trauben vergären und mazerieren in temperaturgesteuerten Tanks — die Cuvaison dauert rund drei Wochen. Der Ansatz ist klar: wenig Eingriff, maximale Fruchtqualität.
Merlot-geprägte Saint-Émilion-Klassiker mit echtem Reifepotenzial
Der Rebschnitt von Grand Pey Lescours besteht zu 80 % aus Merlot und 20 % Cabernet Franc, die Prestige-Cuvée — aus einer Selektion alter Reben auf 3,5 Hektar — setzt auf 95 % Merlot und 5 % Cabernet Franc. Das Ergebnis sind Weine mit dunkler Granatrobe, einem Aromenprofil aus wilden Waldbeeren, schwarzer Kirsche und Cassis, ergänzt durch würzige Noten von Nelke und Tabak aus der Holzreifung. Am Gaumen zeigen die Weine den typischen Schmelz des Merlot: breite, saftige Textur, seidige Tannine, ein langer, kakaohaltiger Abgang. Neben der klassischen Cuvée Saint-Émilion Grand Cru ist es vor allem die Prestige-Linie, die in Führern wie dem Guide Hachette regelmäßig Erwähnung findet und beim Salon Millésime Bio ausgezeichnet wurde. Wer Bordeaux vom linken und vom rechten Ufer kennt, findet hier das Beste der Rive Droite: Frucht, Substanz und einen Charakter, der mit jedem Jahr im Keller an Tiefe gewinnt.