Vom Parlament des Bordelais bis in die Klassifikation von 1855
Die Wurzeln von Château Lafon-Rochet reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert. 1650 brachte Antoinette de Guillemotes das Gut namens „Domaine de Rochet" als Mitgift in die Ehe mit Étienne de Lafon ein, Parlamentsrat der Gironde — und gab dem Château damit seinen bis heute gültigen Doppelnamen. Die Familie Lafon behielt den Besitz mehr als zwei Jahrhunderte, auch durch die Wirren der Französischen Revolution hindurch. 1855, als Napoleon III. die Grands Crus du Médoc für die Pariser Weltausstellung klassifizieren ließ, wurde Lafon-Rochet als Quatrième Grand Cru Classé eingestuft — ein Rang, der seither unverändert gilt.
Was folgte, war ein langsamer Verfall: Phylloxera, wechselnde Eigentümer, fehlende Investitionen. Als Guy Tesseron das Gut um 1960 erwarb, waren Weinberge und Gebäude in einem derart schlechten Zustand, dass der Château-Neubau von Grund auf notwendig wurde. Tesseron ließ ein Herrenhaus im Stil des 18. Jahrhunderts errichten und bemalte es in leuchtendem Gelb — Lafon-Rochet ist damit der einzige klassifizierte Médoc-Cru, dessen Hauptgebäude vollständig im 20. Jahrhundert neu gebaut wurde. Michel Tesseron führte das Gut in der zweiten Generation weiter, sein Sohn Basile stieg 2007 in die Leitung ein. Ende 2021 erwarb Jacky Lorenzetti, bereits Eigentümer von Château Lilian Ladouys, Château Pédesclaux und Château d'Issan, das Weingut und führt es seither weiter.
Parzellendenken, Agroforstwirtschaft und der Einfluss von Pétrus
Der zusammenhängende Weinberg umfasst rund 45 Hektar zwischen Château Lafite-Rothschild und Cos d'Estournel — eine außergewöhnliche Lage, deren Böden aus quartären Kiesen über tiefem Ton bestehen. Teile des Untergrundes weisen denselben blauen Ton auf, der auch in Pomerol vorkommt. Kein Zufall also, dass Jean-Claude Berrouet, jahrzehntelanger Kellermeister von Château Pétrus, als erster linkes-Ufer-Consultant für Lafon-Rochet gewonnen wurde. Bepflanzt ist der Weinberg mit rund 55 % Cabernet Sauvignon, 38 % Merlot sowie Anteilen Cabernet Franc und Petit Verdot; die ältesten Merlot-Parzellen stammen aus dem Jahr 1938.
Im Weinberg setzt Lafon-Rochet auf den Übergang zu ökologisch-biodynamischer Bewirtschaftung, ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Unter Basile Tesseron wurde zudem ein Agroforstwirtschaftsprojekt umgesetzt: Fast 5.000 Rebstöcke wurden gerodet und rund 6.000 Bäume gepflanzt, um ein ökologisches Gleichgewicht zwischen Rebe und umgebender Natur herzustellen. Im Keller arbeitet man parzellengenau: 40 klar definierte Weinbergsparzellen werden separat ausgebaut — in einer Kombination aus Betonbehältern (Cabernet Sauvignon) und Edelstahltanks (Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot). Die Handlese durch ein eingespieltes Team ist Standard, optische Sortiertechnik ergänzt die Qualitätskontrolle im Keller.
Saint-Estèphe-Charakter mit Tiefe und strukturierter Eleganz
Die Weine von Château Lafon-Rochet tragen das typische Profil ihres Appellationsorts: dunkle Frucht, Cassisaromen, Lakritze und Gewürznoten, getragen von einer festen Tanninstruktur, die durch den hohen Cabernet-Anteil geprägt wird. Der hohe Merlot-Anteil — für Saint-Estèphe überdurchschnittlich — bringt Fülle und eine seidige Textur, die die Strenge des Cabernets abfedert. Der Grand Vin stammt ausschließlich aus den ältesten Parzellen mit den komplexesten Untergründen; die zweite Cuvée, Les Pèlerins de Lafon-Rochet, kommt aus jüngeren Reben auf überwiegend ton- und kiesreichen Böden und bietet einen zugänglicheren Einstieg in den Stil des Hauses. Beide Weine werden in Barriques ausgebaut, der Grand Vin je nach Jahrgang zwischen 16 und 20 Monaten, mit einem Neuholzanteil von 50 bis 60 %. Dazu empfehlen sich kräftige Schmorgerichte, Lammkeule mit Kräutern der Provence oder gereifter Hartkäse.