Von Benediktinermönchen zur Familie Roulleau: über 800 Jahre Dauzac
Die Wurzeln von Château Dauzac in Labarde reichen bis ins Mittelalter. Als frühester bekannter Besitzer in diesem Teil von Margaux gilt Pétrus d'Auzac, für das Jahr 1190 belegt. 1545 beschrieben die Benediktinermönche der Abtei Sainte-Croix in Bordeaux das Anwesen als „Bourdieu“, ein Landhaus mit Weinberg. Ab 1685 baute der Bordelaiser Weinhändler Pierre Drouillard das Gut zu einem der bedeutenden Weingüter des Médoc aus.
In der Klassifizierung von 1855 wurde Dauzac als Fünftes Cru Classé eingestuft, damals unter der Familie Wiebroock. 1863 übernahm die Händlerfamilie Johnston. In dieser Zeit machte der Verwalter Ernest David das Gut zum Versuchsfeld. Dauzac gilt als Ort, an dem die Bordeauxbrühe gegen den Mehltau entstand. Nach den Familien Miailhe und Chatellier erwarb 1989 der Versicherer MAIF das Château und baute 2004 einen neuen Schwerkraftkeller. Seit 2020 gehört Dauzac der Familie Roulleau und ist damit wieder ein Familienbesitz.
Ein Block, 10.000 Reben pro Hektar und biodynamische Handarbeit
Das Gut umfasst 120 Hektar, davon sind 49 Hektar Reben in einem einzigen Block: 45 Hektar in der Appellation Margaux, 4 Hektar in Haut-Médoc. Das ist in Margaux selten. Wiesen und Wald schützen die Reben vor den Winden vom Meer, die nahe Gironde-Mündung mildert die Temperaturschwankungen. Die Böden bestehen aus tiefen Kiesrücken. Bodensondierungen und elektrische Widerstandsmessungen zeigten, welche Parzelle welche Rebsorte und Unterlage verträgt. Die Bestockung liegt bei 10.000 Stöcken pro Hektar, mit 69 % Cabernet Sauvignon, 29 % Merlot und 2 % Petit Verdot.
Seit einigen Jahren bewirtschaftet Dauzac seine Weinberge zunehmend biodynamisch, mit Pflanzenpräparaten aus der Region. Geerntet wird von Hand, teils nach dem biodynamischen Kalender an Fruchttagen. Die Trauben laufen vor und nach dem Entrappen über einen Sortiertisch. Im Schwerkraftkeller vergären sie mit natürlichen Hefen aus dem Weinberg, in Holzbottichen mit doppelter, transparenter Daube, ohne Umpumpen. Auf einer Parzelle stehen wurzelechte Cabernet-Sauvignon-Reben ohne Unterlage, ausgewählt aus den besten Reben des Guts.
Cabernet-Struktur aus Labarde: vom Grand Vin bis zum Franc de Pied
Der Grand Vin ist ein Cabernet-Sauvignon-dominierter Verschnitt mit Merlot, im Jahrgang 2020 zum Beispiel 72 % zu 28 %. Er reift 15 Monate in französischen Barriques, 2020 zu 66 % neu. Verkostungsnotizen zum Jahrgang 2016 nennen getrocknete Kräuter, Blaubeeren und Kirschen, dazu straffe Säure und feine Tannine. Das passt zu Lammrücken, Entrecôte oder gereiftem Hartkäse. Serviere ihn bei etwa 16 bis 18 °C.
Neben dem Grand Vin füllt das Gut weitere Weine ab. Der Comte de Dauzac erscheint als Margaux, Haut-Médoc und Bordeaux. Aurore de Dauzac stammt von feinen, sandigen Kiesböden und setzt auf Frische. Seit dem Jahrgang 2021 gibt es den Franc de Pied, einen reinsortigen Cabernet Sauvignon von wurzelechten Reben. So kannst du innerhalb einer Adresse verschiedene Seiten von Margaux kennenlernen.